Monatsarchiv für November 2007

Fürs Verbrecheralbum

reisepass.jpg

Ich habe mir gerade Paßbilder machen lassen, die für die neuen Reisepässe taugen.

Wie meistens, die Zeiten werden schlechter, allemal werden sie häßlicher. Man darf den Kopf nicht mehr nett schräg halten, sondern muß gerade nach vorne gucken. Lächeln darf man auch nicht mehr, was ich allerdings nicht schlimm finde. Sowohl der Fotograf als auch die Frau auf dem Ordnungsamt messen mit einer durchsichtigen, mit Umrißlinienschemen bedruckten Plastikschablone nach, ob der Kopf haargenau der Norm entspricht. (Das mit der abgekappten Schädeldecke schien dabei nicht zu stören.)

Und 60 € kostet ein Reisepaß nun, ganz hübsch. Man kann diese Fotos aber auch für den Personalausweis verwenden.

Der Novembermann

fme_novembermann.jpgFilm-Mittwoch im Ersten: „Der Novembermann“, 2007, Henry Lichtfeld (Götz George), Hermann Drömer (Burghart Klaußner), Susanne (Bernadette Heerwagen)Unter unbefangener Inkaufnahme eines doch erheblichen Maßes an Absurdität war das ebenso raffiniert wie subtil komponiert, bösartig und rührend-liebenswert zugleich. Vor allem mindestens so spannend wie ein durchschnittlicher Tatort. Wer weiß was über wen, und wer darf oder sollte was keineswegs erfahren? Ein wunderbarer, packender Fernsehfilm.

(Trotz des dämlichen Endes mit der Seebestattung einer doch offensichtlich schon einmal bestatteten Pfarrersfrau. Zur Strafe ist jetzt gerade in gleichen Sender Margot Käßmann in einer Talkshow zu sehen.)

Eine Maus im Kaffee

Ich schaue mir gerade auf Pro Sieben die „Schatzinsel“ an. Es ist Reklamepause, und die kommt dergestalt zustande: Im Film läßt der „Schiffkoch“ Long John Silver aus Bosheit ein tote Maus in die Suppe der Herren Offiziere fallen. Die brodelnde Suppe ist gelb und undurchsichtig. Plaff – Reklamepause. Eine Sekunde später läuft golden-schaumiger Jacobs-Creme-Kaffee aus der Maschine in die Tasse, es wird für Kaffeepads namens „Carismo“ geworben. Beide Flüssigkeiten sehen fast gleich aus. Gelungener Schnitt, würde ich sagen…

Bevor es dunkel wird (Sänger; Dellwo)

tatort_bevor_es_dunkel_wird.jpg„Bevor es dunkel wird“, HR, 2007, Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki), Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: „Charity-Business“

:d:

Charlotte Sänger, Fritz Dellwo und die Ihren ermitteln weiterhin auf der dunklen Seite des Mondes, nämlich unserer fröhlichen Gesellschaft; aber diesmal war das nicht störend. Und je länger die Folge dauerte, desto bereitwilliger konnte man das, was man anfangs als Längen empfunden hatte, für gelungene Mittel zur Erzeugung von Spannung nehmen.

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Karl erbleicht

karl_der_kuehne.jpgNa, ich brauch mir keine Gedanken mehr darum zu machen, ob es klug ist, die meisten Artikelbilder in diesem Weblog aufzuhellen und ihre Sättigung zu reduzieren. Gerade habe ich eine fast körperlich fühlbaren Schreck bekommen, als ich in dem ein Foto des berühmten Porträts Karls von Rogier van der Weyden (hängt in Berlin) gesehen haben. Schaurig, als ob er Lip-Glos, oder wie das heißt, verwendet hätte oder als ob man einer Grisaille-Malerei hätte nachhelfen wollen.

Isabelle Boulay & Johnny Hallyday: Tout au bout des nos peines

Ich habe gerade das Bedürfnis dieses wunderhübsche Video irgendwo einzubinden, und da ich das in dem „Music of the Moment“-Strang von Konjunktiv 2 schon vor nicht allzu langer Zeit gemacht habe, mache ich es eben hier.

:-)

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Eingestellt

501.jpg(Weder dieses Weblog noch mein liebes Forum Konjunktiv 2…)

Wohl aber meine seit nun mehr als zehn Jahren in aller Stumpfsinnigkeit und möglicherweise in der Tat auch in aller Geschmacklosigkeit getragene Lieblingsjeans, meine Standard-Hose, von der ich mir im Laufe der Zeit wohl so 12 oder 15 Stück zugelegt habe.

Natürlich, es gibt sie weiterhin, aber eben nicht mehr in meiner Größe. Schon seit langer Zeit mußte ich durch mindestens 3 Kaufhäuser laufen, um die richtige Größe zu finden. Nun konnte man noch ein letztes Exemplar ergattern und erhielt dabei die offenbar kompetente Auskunft: „Die Größe wird jetzt gar nicht mehr hergestellt. Ist ein Rest.“

Na, wird auch wirklich Zeit, mir mal was anderes zu suchen, stimmt schon. Paßt also…

Jedenfalls – und das ist wirklich ein Abschiednehmen: Es gibt keine 501er-Jeanse in der Größe 27/34 mehr. :-(

Wir züchten uns einen dicken, fetten Muskelkater

muskelkater.jpgWieviele Muskeln hat der Mensch, und wie viele unterschiedliche Arten gibt es offenbar, sie zu trainieren. Das erstaunt mich immer wieder. Radfahren ist etwas völlig anderes als Laufen, einer, der gut Radfahren kann, läuft deshalb nicht besonders gut. Aber auch beim Laufen gibt’s erhebliche Unterschiede, wie mir gerade einmal wieder klargeworden ist. Ich meine, ein halbwegs durchtrainierter Hobby-Mittelstrecken-Läufer zu sein. Aber vorhin gegen sieben habe ich einfach einmal folgendes ausprobiert: Über 2 km (d.h. über etwa 9 Minuten) auf dem Ballen und nicht über die Ferse laufen.

Meiner Ansicht nach ein völlig unnatürlicher Laufstil für Nicht-Sprint-Strecken; aber was heißt das schon: „unnatürlich“? Mein gewöhnt sich an einiges.

Ergebnis: Ein ganz hübscher Muskelkater in den Waden. :-)

Penguin Cafe Orchestra

penguin_cafe_beitrag.jpgDie englische Merkwürdig-Minimal-Musikgruppe „Penguin Cafe Orchestra“ aus den späten Siebziger und Achtziger Jahren hatte ich schon einmal erwähnt. Im Moment hat’s mich wieder einmal erwischt – ein PCO-Anfall hat mit Macht begonnen, erinnert mich fast ein bißchen an einen Fieberschub.

Ich bin gar kein musikalischer Mensch, aber/und diese sehr zurückgenommene, modeste, „trockene“ (um nicht schon wieder das Wort „zivilisiert“ zu verwenden) Mischung aus Klassik, Folk und irgendetwas anderem wirkt. Und zwar fast hypnotisch.

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Wildgänse

wildgaense.jpg

Gegen sieben gelaufen, durch die Herrenhäuser Gärten und die umliegenden Laubenkolonien. Es ist kühl, knapp über Null Grad; zum erstenmal in diesem Jahr langärmelig, auch wenn das nicht so toll aussieht. Ganz leichter Dunst.

Und dann auf einmal dieser wunderbare, sirrende Ruf von Wildgänsen – eines der schönsten und ermutigendsten Geräusche, die man als Läufer zu hören bekommen kann. Blick nach oben: Vor dem hellen Nachthimmel der Großstadt zeichnet sich die Kette der Vögel ab. Wunderbar.

Die Falle (Ehrlicher; Kain)

tatort_die_falle.jpg„Die Falle“, MDR, 2007, Bruno Ehrlicher (Peter Sodann), Kain (Bernd Michael Lade)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Verzweifelungsprostitution

:-)

Ein gelungener Abschied für Bruno Ehrlicher. Vielleicht gelegentlich etwas exaltiert, ein bißchen angespannt, was die Emotionen, den „inneren Konflikt“ Kains anging, aber was soll’s. Es war spannend, ohne nun gerade mitreißend zu sein; paßte mithin ganz gut als Schlußakkord.

Nebenbei: Habe ich mir das eingebildet oder war der Ton in dieser Folge wirklich so schlecht? So „hohl“… Ich hatte stellenweise Schwierigkeiten, die Sätze zu verstehen.

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Tags

tags.jpgCicero vom Weblog katholon hat vor einigen Tagen seinem Unbehagen an „Tags“ Ausdruck gegeben. Anlaß war die Einführung von Tags in die Standardfunktionalität von WordPress mit der Version 2.3. Ich muß sagen, ich kann dieses leichte Gefühl von Fremdheit, diese innere Sperre eines zivilisierteren Charakters gegenüber Tags sehr gut nachvollziehen: Man verschlagwortet nicht gerne die eigenen Texte, es scheint einem unangemesse und plump, auch marktschreierisch.

Man kommt sich irgendwie kindisch oder wie ein Suchmaschinen-Optimierer vor, wenn man etwas subtilere, vielschichtigere, persönlichere oder auch nur etwas exzentrischere Texte in Tags aufschlüsseln soll. Wie jemand, der eigentlich nichts zu sagen hat und dafür dann dennoch möglichst plakative Schlagworte finden möchte/muß.

Um es von der ursprünglichen Grundkonzeption eine Weblogs als Tagebuch oder zumindest als etwas Tagebuchartiges zu sehen: Man klebt nicht gerne Etiketten auf seine Tage.

Nachtflug

Nachtflug

Ein städtischer Nach-Feierabend fliegt links und rechts vorbei, und das ist hübsch.

Nun, meisten ist es eine Plage und eine Notlösung, das Laufprogramm nächtens zu absolvieren. Aber manchmal stimmen die Komponenten: gute Form, bärbeißig-grimmige Laune, ein zerschossener Tag ist Gott sei Dank vorbei. Es ist neun Uhr, so gegen sechs Grad warm, Regen, starker Wind.

War toll, federleichter Kontakt zum Boden. Wir laufen längs der Straße, die entgegenkommenden Scheinwerfer lösen sich in den Regentropfen vor der Brille in ein dekoratives Leuchtknöpfchen-Schaltpult auf.

Die dickvermummelten Gestalten, an denen man vorbeifliegt, werden mit freundlich-geringschätzigen Blicken bedacht, in der vorbeifahrenden Straßenbahn frißt einer Pizza.

Technische Neuerungen

Technische Neuerungen

Gemäß der Konzeption dieses Blogs als Ausweichmöglichkeit, als „Hinterhandblog“, wie ich das mal genannt hatte, gibt’s hier nicht allzu häufig was neues. Wenn ich was zu schreiben müssen meine, bleibt meine primäre Plattform das Forum Konjunktiv 2 – nur wenn es dort nicht hinpaßt, schreibe ich es hier. Wie bekannt…

In den letzten Tagen habe ich allerdings recht intensiv an den technischen Funktionen und am Layout dieses Weblogs gebastelt und gebe von den Veränderungen in diesem Eintrag protokollierend zugleich und werbend Kunde.

  1. Kommentare können von ihren Verfassern nach dem Abschicken bearbeitet werden, und zwar für 15 Minuten.
  2. Dadurch wird das alte JavaScript-Vorschau-Plugin meines Erachtens obsolet – wenn etwas beim HTML-Basteln was schiefgegangen ist, kann man es noch korrigieren. Und überhaupt konnte dieses Vorschau-Plugin nicht mit Smilies umgehen.
  3. Smilies können jetzt (schon seit einiger Zeit) aus einer Liste ausgewählt und per Klick in den Text eingefügt werden. Es handelt sich um die am häufigsten auf Konjunktiv 2 verwendeten Smilies, allerdings in sedierter, d.h. nicht-animierter Form. Außerdem habe ich sie verkleinert, damit sie beim hier verwendeten kleineren Schriftgrad keine Löcher in die Zeilen reißen.
  4. Es gibt ein neues Banner, siehe bitte oben.
  5. Der Seitenbalken ist wieder beigefarben, mir ist dieses matschige Babyblau dann doch auf die Nerven gegangen. Siehe bitte rechts.
  6. Es gibt ein neues „Favicon“, nämlich dieses: favicon_amy.gif
  7. Es gibt Google-Werbung. ;-)

Jenseits (Polizeiruf 110, BR)

pzr110_jenseits.jpgWir haben es als großen Vorteil dieses Fernsehkriminalfilms empfunden, daß man sich während der Ausstrahlung nebenher so wunderbar in der Küche sein Nachtmahl zubereiten konnte, ohne etwas wesentliches zu versäumen.Schmecken mochte es einem dann aber nicht so recht. Die Handlung besteht darin, daß über 90 Minuten eine Mutter nach dem Tod ihres Kindes extatisch leidet und das Kind sehen will. Und so toll Ulrike Krumbiegel das gespielt hat, das war sowohl zuwenig als auch erheblich zuviel des Guten. Die ersten 35 Minuten sind nahezu ausschließlich dem Problem „Wie bringt ein Polizist einer Mutter den Tod ihres Kindes bei?“ gewidmet. Sicher, Edgar Selge kann wunderbar einen sensiblen Polizisten spielen – aber bitte nicht so eine Lahmarscherei am Sonntagabend um viertel nach acht.

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