Monatsarchiv für Dezember 2007

Fettkiller (Odenthal, Kopper)

tatort_fettkiller.jpgTatort „Fettkiller“, SWR 2007, Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Mario Kopper (Andreas Hoppe)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Bosheit der Pharmaindustrie, ihr Gendiebstahl in Afrika, Magersucht bei Models

übel

Um 20:58 brechen wir das Anschauen dieses Tatortes ab. Es geht nicht mehr. Unerträglich.

Der Anlaß war die unterirdische angedeutete Verführungsszene zwischen Kristina und Lena: „Sie können alles benutzen.“ Kann man sich, auch angesichts der weiß Gott bekannten sexuellen Orientierung der Hauptdarstellerin etwas Furchtbareres vorstellen?

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Vorsichtige Liebeserklärung an die Nachtlaufstrecke

strecke.jpgMan muß sich zugegebenermaßen in jedem Herbst aufs neue an sie gewöhnen – und des Sommers vermißt man ihren spröden, eckigen Charme auch keineswegs allzusehr. Wie schon in den Laufwintern zuvor stellen wir jedoch auch heuer wieder seit vielleicht Ende November, Anfang Dezember fest, daß uns das alte Meuble wieder einmal und/oder noch immer ans Herz gewachsen ist.

Einen Kilometer nach Osten an der Stirnseite des Großen Gartens vorbei, dann einen nach Süden längs der Graft (der Graben um den Großen Großen) und nochmal einen nach Osten durch die Kleingärten auf die Uni zu – auf allen drei Teilstücken hat es (eine teils recht funzelige) Straßebeleuchtung, daher. Und dann zurück.

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Freundliche Assoziationen zu Pakistan

pakistan.gifGelegentlich der Ermordung Frau Bhuttos – möge sie in Frieden ruhen – wollen wir versuchen, in uns einige freundliche Assoziationen zum Staate Pakistan zu beleben.

Zwei kommen uns sogleich in den Sinn:

Ein zwar flüchtiger, aber doch geschätzter junger E-Mail-Bekannter aus Tschetschenien-Kampagnen-Tagen, der – wo wohl sonst? – in London lebte. Er erzählt voll Stolz, in einem Armee-Museum in Pakistan (wo genau, habe ich vergessen, wohl in Islamabad) einen Starfighter gesehen zu haben, der in einem der unübersichtlichen Kriege gegen Indien in den Neunzehnhundertziebzigern mehrere indische Maschinen abgeschossen hat.

Eine Szene aus einem Fernseh-Bericht vor einigen Jahren. Im kaschmierischen Himalaya liegen sich in sechstausend Metern Höhe indische und pakistanische Soldaten gegenüber und beschießen einander. (Jeder, der dort etwas machen soll, muß zunächst mehrere Wochen akklimatisiert werden.) Die Journalisten sind bei den Pakistanern und filmen diese Szene: Soldaten beim islamischen Gebet. Eine flirrendweiße Hochgebirgseinöde, weiße Schnee-Tarnanzüge, jeder mit einer verspiegelten Schneebrille. So verrichten sie ihr Gebet, wie es bei den Moslems Brauch ist. Ein hinreißender Anblick.

Hanfeld in der FAZ – Frau Maccarone dorten im Interview

Hanfeld in der FAZMichael Hanfeld schreibt heute im FAZ-Feuilleton zu der Aufregung um die Tatortfolge „Wem Ehre gebührt“; ferner bringt die FAZ ein von Hanfeld geführtes Interview mit der Regisseurin Angelina Maccarone.

Beide Artikel erscheinen uns lesenswert und konstruktiv. (Daß Hanfeld versucht, eine Paralle zum Karikaturenstreit zu ziehen, ist allerdings albern – es ist Boulevard.) Wie bereits in diesem Weblog und in meinem langsam absterbenden Forum Konjunktiv 2 festgestellt: Frau Maccarone wollte zuviel des Guten, das sieht Hanfeld sehr genau:

Wenn man dem Film einen Vorwurf machen kann, dann den, dass er naiv vorgeht, die Fallstricke der muslimischen Geschichte nicht kennt und sämtliche Klischees mit einem Mal abräumen will.

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Mini-Relaunch

Wir haben den Nachmittag damit verbracht, am Layout dieses Weblogs zu feilen:

Neue Zierschrift, neues Banner, neues Favicon etc., Farbschema in der CSS-Datei modifiziert und verschiedene Winzigkeiten.

Ziel: Etwas weniger frustig, ein paar Farbtupfer, freundlicher und vor allem: noch unseriöser.

Wem Ehre gebührt (Lindholm)

tatort_wem_ehre.jpg„Wem Ehre gebührt“, NDR, 2007, Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Kinderschändung, Ehrenmorde, Aleviten vs. Sunniten in der Türkei und in Deutschland, Schwangerschaft, Tristesse des hannöverschen Bürokratenalltages :-|

Angesichts der Tatsache, daß sowohl Buch und Regie als auch die Kamera von einer Frau besorgt wurden, daß ferner die HAZ am Freitag eine die Grenzen der Lächerlichkeit ins Unermeßliche zerdehnende Jubelrezension veröffentlicht hat (verfaßt von Stefan Arndt, S. 9), war mit noch wesentlich Schlimmerem zu rechnen. Es war dann aber einfach nur eine unterdurchschnittliche, überdurchschnittlich langweilige Folge – es passiert wenig, und das, was passiert, ist undurchsichtig.

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Anti-Föhn

phon.jpgBäh, was für ein nervenzehrender Wind in den letzten Tagen. Nicht sehr stark, aber ganz unausgesetzt und namentlich beim Laufen ganz scheußlich. Es hat nicht einmal etwas Heroisches, dagegen anzulaufen.

Es ist ein Anti-Föhn. Ostnordost, leicht, kalt, feucht, fein, schmallippig. Eine norddeutsche Nervensäge. Dazu unpräziser Hochnebel, der zwar tagsüber ein auf den ersten Blick schönes mildes Licht gibt, das dann aber auch irgendwann fast bösartig wirkt.

Vorhin gegen neun gelaufen, schon zum zweiten Mal in diesem Jahr in langer Hose (und das bei kaum minus 1 Grad), zum vierten Male schon mit langen Ärmeln. Aber dieser Wind ist sooo blöd.

Und keineswegs nur, damit jetzt auch jeder das lustige Wortspiel ganz versteht, erlaube ich mit hier, auf die schönen adventszeitlichen Antiphonen im Blog von KJ hinzuweisen. :-)

Kleine Herzen (Batic; Leitmayr)

tatort_kleine_herzen_2.jpg„Kleine Herzen“, BR, 2007, Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Ivo Batic (Miroslav Nemec)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Kindesvernachlässigung an der Grenze zur Kindesmißhandlung

:-)

D‘accord, ich habe mich geirrt.

Erstens hat die FAZ gar nicht gepetzt: Es war im Film nach drei Minuten klar, wer es gewesen ist und wie es geschehen ist.

Zweitens und vor allen Dingen war es auch kein Tatort im Sinne der Obrigkeit: Das Kind ist schon im Kindergarten. Die Probleme, das sich anbahnende Unheil, entstehen vielmehr namentlich aus der Frage, wer es denn von dort abholen solle.

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Wenn die FAZ petzt,…

scanimage001.jpg…nämlich die Auflösung des morgigen Münchner Tatorts „Kleine Herzen“, dann läßt das für die Folge wenig Ersprießliches erwarten – und der Nachsatz („Rekonstruktion einer sozialen Ausnahmesituation“) erst recht nicht. Es geht, wieder einmal, um Kindesmißhandlung – die „Kommissare tauchen ein in ein beklemmendes Milieu“. Au weia. Man hat mittlerweile den Eindruck, daß die Hälfte bis zwei Drittel aller neueren Tatorts-Folgen in den Dienst obrigkeitlicher Kinder-Zeuge und Erziehungs-Verstaatlichungs-Kampagnen gestellt werde.

Übrigens ist auch die Überschrift dieses FAZ-Artikels ganz unerträglich: „Ihren kleinen Sohn läßt sie einfach sterben“ (Katharina Teutsch, FAZ Nr. 292 v. 15.12.07, S. 39) – vorhin hatte sich Nikodemus auf k2 zu Recht über die piefige Überschrift eines faz.net-Artikels aufgeregt: „Marco W. darf Weihnachten zu Hause feiern“. Haben sie da einen angeheuert, der vorher für die Bildzeitung Überschriften getextet hat? Bildzeitungsschlagzeilen sind allerdings in der Regel ziemlich witzig, was man von diesen FAZ-Erzeugnissen nicht eben behaupten mag.

Van Gils

Das gibt es wieder, ich mochte zuerst meinen Augen nicht trauen, aber es stimmt – das Geburtstagsgeschenk war keine Fata Morgana und auch kein Jux. Vor mir steht ein 100-ml-Flacon Eau de Toilette. Nichtmuseal, kein Sammlerstück.

Van Gils war so etwa zwischen dem 23. und dem 27. Lebensjahr mein Parfum – dann wurde das eingestellt, ich habe mich wirklich jahrelang darüber geärgert.

Nun gibt es das wieder – die Überraschung hat wirklich gesessen. Grundton ist Bergamotte, also zitronig, dazu ein bißchen nach diversen Gewürzen – irgenwie nach Koriander und Zimt, auch einen „holzartigen“, etwas schwereren, kantigeren Unterton hat es, der immer besser und deutlicher kommt, wenn es länger auf der Haut gelegen hat. Es ist paradoxerweise in der Gesamtwirkung gar nicht fruchtig.

Ich bin mir nicht 100pro sicher, ob das noch paßt. Es ist im Moment so ein bißchen das Gefühl, einer Jugendliebe zu begegnen, die erstaunlichweise nicht gealtert ist. Man hat also seine wohlbegründeten Bedenken… Nun, auf das Experiment wollen wir uns aber gerne einlassen. :-)

Schleichendes Gift (Ritter; Stark)

tatort_schleichendes_gift.jpg„Schleichendes Gift“, RBB, 2007, Till Ritter (Dominic Raacke), Felix Stark (Boris Aljinovic)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Bosheit der Pharmaindustrie – alle Jahre wieder

In ziemlich schlechter Grundstimmung erklären wir uns nicht gerade für unzuständig, möchten aber unserem eigenen Urteil heute abend noch weniger Klarheit und Bedeutung beimessen als sonst – und verzichten daher beispielsweise auf den Tatorts-Smilie.

Das war gewiß nichts besonderes und auch nicht so überragend spannend, zumal man die hübsche Referentin auch sofort in Verdacht hatte – aber wohl doch erträglich und ansehbar.

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Spätschicht (Ballauf; Schenk)

tatort_spaetschicht.jpg„Spätschicht“, WDR, 2007, Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: keines

:-)

War rundherum sehr in Ordnung, auch wenn vielleicht etwas zu viel geschrien wurde und der Gestapist von „der Inneren“ zumindest anfangs ein bißchen sehr kraß präsentiert wurde. Aber zum Schluß verträgt man sich ja doch sehr hübsch.

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