Monatsarchiv für Januar 2008

VI

002.gif♦ König Beatrix der Niederlande ist siebzig Jahre alt geworden. Heute im FAZ-Feuilleton ein sehr schöner Artikel von Schümer dazu, der insbesondere klarstellt, wie konsequent unvolkstümlich, hoheitlich und konservativ – es drängt sich hier einfach auf zu sagen: „unholländisch“ – sie ihr Amt führt. Gut und schön. Bis a hundertzwanzich! :-)

♦ Don Felipe ist vierzig geworden, Glückwunsch.

♦ Warum sieht man immer wieder und recht häufig türkische oder sonstwie moslemische (also: kopftuchtragende) Walkerinnen mittleren Alters auf der Herrenhäuser Allee? Das bleibt rätselhaft. Türkische Läufer sieht man übrigens ganz selten, Ausdauersport scheint deren Sache nicht zu sein.

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Schädlingsbekämpfer (ergänzt)

schaedlingsbekaempfer2Eine ausgebleichte lila Mappe aus stabiler Pappe im Oktavformat, verschlossen mit einer lila Kunstseidenschleife. Aufdruck: „Ein Vierteljahrhundert Preußische Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene : 1901-1926.“ Darüber eine 25 im Lorbeerkranz. In der Mappe vier graue Hefte aus den Reihen „Mitteilungen aus der Preußischen Landesanstalt …“ und „Kleine Mitteilungen des Vereins für Wasserversorgung und Abfallbeseitigung e.V.“ Eine selbstgebastelte Behörden-Festschrift von 1926 also.

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Das neueste Zitat von Baltasar Gracián!

gracian_121.jpgWir haben seine Hochwürden Pater Baltasar Gracián S.J. um eine kurze Stellungnahme zu den Ereignissen der letzten Woche gegebeten, namentlich zu denen, die kurz vor der Abschaltung von Konjunktiv 2 dort und seitdem hier verhandelt wurden. Der Übersetzer hat uns die Antwort – grußlos! übel – per Minitel (!) zukommen lassen. In aller Eile ist uns nichts Besseres eingefallen, sie hier zu veröffentlichen, als sie eben ins Notizbuch zu übertragen, die Notizbuchs-Seite zu scannen und den Scan hier einzustellen.

Verdammt (Ballauf; Schenk)

tatort_verdammt.jpgTatort „Verdammt“, WDR 2008, Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Kinderschänder; Anti-Kinderschänder-Vereine, die es nicht gibt

:-|

Bei allem Respekt davor, dieses Thema vielschichtig und möglichst unkonventionell abgehandelt zu haben: Es stand einfach viel zu sehr im Vordergrund und mußte das nach Lage der Dinge vermutlich auch. Man hat sich hier übernommen, und auch wenn es eigentlich eine ziemlich spannende Folge war, so wurde diese Spannung doch von dem Gewicht des Rahmenthemas gleichsam plattgedrückt.

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Schattenkinder

fme_schattenkinder.jpgFilm-Mittwoch im Ersten: „Schattenkinder“, 2008, Christiane (Karoline Eichhorn), Sandra (Beata Lehmann), Therese (Amber Bongard)

Ein guter Film. Und es will etwas heißen, wenn wir das von einem Film sagen, in dem es im wesentlichen um Kinder-Erziehungsfragen geht, in dem alle wichtigen Figuren Frauen und alle Männer melancholische Trottel und/oder beflissene Softys sind. (Wenn man einen Harki-Haken schlägt, kann man als Deutscher fast schon wieder stolz sein, einer Nation anzugehören, in der Rainer Selliens Standard-Rolle ganz realistisch und sogar sympathisch, eben überzeugend, wirkt.)

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Gegenöffentlichkeiten

gegenoeffentlichkeiten.jpgEin wunderbarer, glasharter (nun ja: auch ziemlich involvierter…) Kommentar zum Thema „Gegenöffentlichkeiten“ findet sich im FAZ-Feuilleton von morgen. Christian Geyer bringt es auf den Punkt. Sehr wichtig auch, daß das unvermeidliche notdürftig verklausulierte Drohen mit körperlicher Gewalt („Hausbesuche“ etc.) in den Kommentaren auf den allseits bekannten „politisch inkorrekten“ und/oder anti-islamischen Ochlos-Sites angesprochen wird. Das gibt es dort seit Jahren immer wieder und unausgesetzt, und es wird allerhöchste Zeit, daß dagegen vorgegangen wird. Es wäre sehr schön, wenn die ebenso unsägliche wie absehbare Schmutzkampagne gegen Jessen hier etwas anstoßen würde.

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II

vign_003.gif♦ Der Tag beginnt schlecht, nämlich mit dem Sprecher der Siebenuhrnachrichten auf Deutschlandradio. Er spricht hastig, flach, trennt die Wörter nicht richtig, hebt kaum die Stimme, wenn er betont, betont er wirr. Und vor allem: Er bemüht sich, fremde Namen haargenau so auszusprechen wie in der Sprache, aus der sie stammen – allemal ein Erkennungszeichen für die geistige Infanterie. Der Name Prodi klingt auch anständig ausgesprochen schon häßlich genug. (Auch ohne daß man seine Träge vor Augen hätte.) Aber was macht er? Erstens spricht er ein offenen o – schon das ist unerträglich. Zweitens ein Zungen-r… Aber es geht immer noch ein bißchen schlimmer: er spricht allen Ernstes ein nichtaspiriertes p.

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Das alte Weblog

das_alte_weblog.jpgfrei_sein hatte vorhin mit freundlichen Worten mein „altes Weblog“ auf janklaas.de erwähnt. Das war der Vorgänger von Konjunktiv 2 – mit Begeisterung geführt vom Februar bis zum Dezember 2004. Wie gesagt mit selbstgeschriebenen PHP-Skripten und zu einer Zeit, als sich der Begriff „Weblog“ in Deutschland gerade erst herumzusprechen begann.

Heute habe ich im Zuge der Stillegung von k2 einige Sachen an meiner hoffnungslos veralteten janklaas-Site gerichtet, nämlich vor allem die „dynamischen Beziehungen“ zu k2 („Neu auf Konjunktiv 2″) dort entfernt. Meine Güte, ich wünschte ich hätte Zeit, die Site ganz zu überarbeiten, sie ist wirklich Schandfleck. Immerhin: alles selbstgeskriptet, teil meine ersten Gehversuche in PHP, ich mag sie einfach nicht abschalten.

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Nun doch weg…

k2_logo.jpgRecht spontan habe ich heute gegen Mitternacht Konjunktiv 2 nun doch abgeschaltet. Angekündigt war das, die Leute waren allesamt vorgewarnt – dann habe ich noch eine harkiesque Pirouette gedreht, und nun ist es eben doch weg.

Die Sache hat über drei Jahre einen erheblichen Teil meiner Zeit in Anspruch genommen. Es folgen daher in diesem Weblog mit Sicherheit noch einige Nachlesen. Ich mache sogar eine eigene Kategorie „Konjunktiv-2-Nachlesen“ auf – deren erste, nämlich dieser Eintrag, dient zuförderst der Information unserer Stammgäste darüber daß, das Konjunktiv 2 eben nun doch weg sei.

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Die Schalen hoch, die Tulpen weggeschlossen!

Ein Lob der Sektschale

sektschale_kl.jpgSektgläser mit einem breiten, als flache Schale geformten Kelch – diese schönen Gläser sind seit längerer Zeit schon ganz und gar von den hohen, schmalen Sektgläsern verdrängt worden, bedauerlich.

Sektschalen sehen viel hübscher aus als die hohen Sektgläser, sie wirken nicht so spitzig, maigre und zackig, sondern opulenter, ruhiger und sicherer. Man assoziiert mit ihnen kein „Gläschen Sekt“ anläßlich einer „betrieblichen Feierlichkeit“ – man kann sie sich nicht mit Orangensaft gefüllt denken. Auch geben sie der Hand die Möglichkeit zu ausdrucksvolleren Gesten.

Aber es hat sich hier schnöder Funktionalismus durchgesetzt. Ein denkbares funktionalistisches Argument gegen Sektschalen wäre die Tatsache, daß sie mehr Platz einnehmen als moderne Sektgläser – wenn man eine große Menge von ihnen auf einem kleinen Tisch oder einem kleinen Tablett unterbringen will, bekommt man Probleme. (Wenn man sie denn nicht stapeln will – und von diesen obskuren Sektschalenpyramiden brauchen wir hier sich nicht zu reden…) Das wird man zur Not gelten lassen können.

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(Ein) morgendlicher (und ein abendlicher) Anblick (Update)

In einer stillen Seitenstraße kommt uns kurz nach Sonnenaufgang eine Frau entgegengeradelt. Das Alter läßt sich auf die Schnelle nicht ganz genau feststellen, weil ihre schulterlangen Haare selbstverständlich hennarot gefärbt sind – irgendwas zwischen Ende zwanzig und Anfang fünfzig. Immerhin, daß sie es eilig hat, daß erkennen wir, und einen gequälten Blick auch.

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Die Sprache des Paradieses

ivrit.gifSo hat Borges diese bemerkenswerte Sprache genannt. Er sagte auch „Einst habe ich Dich besessen, heute bist Du mir fern wie die Algebra oder der Mond.“ Damit meinte er das Deutsche – uns geht es so gerade mit seiner Sprache des Paradieses.

Wie schlicht und baukastenartig sie funktioniert. Man erwartet von einer „orientalischen“ Sprache eine gewisse Verwinkeltheit, eine Art von „Blumigkeit“, eine wolkige Schwererlernbarkeit – aber das ist überhaupt nicht der Fall. Es läuft fast alles in geregelten Bahnen. Im Vergleich zu indogermanischen Sprache wirkt Hebräisch „erfunden“, „konstruiert“.

Hebräisch ist großartig. Die älteste Sprache und die jüngste. Kristallin, schematisch, eisenhart, logisch bis zur Unheimlichkeit, knapp, kurz. Monumental und rotzig. Und die Phonetik ist ebenfalls ganz beeindruckend schlicht, zumindest in der sephardischen Aussprache, in der es keine semitischen Kehllaute mehr gibt.

Wir müssen unbedingt wieder damit anfangen.