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Monatsarchiv für Januar 2008

Die Sprache des Paradieses

ivrit.gifSo hat Borges diese bemerkenswerte Sprache genannt. Er sagte auch „Einst habe ich Dich besessen, heute bist Du mir fern wie die Algebra oder der Mond.“ Damit meinte er das Deutsche – uns geht es so gerade mit seiner Sprache des Paradieses.

Wie schlicht und baukastenartig sie funktioniert. Man erwartet von einer „orientalischen“ Sprache eine gewisse Verwinkeltheit, eine Art von „Blumigkeit“, eine wolkige Schwererlernbarkeit – aber das ist überhaupt nicht der Fall. Es läuft fast alles in geregelten Bahnen. Im Vergleich zu indogermanischen Sprache wirkt Hebräisch „erfunden“, „konstruiert“.

Hebräisch ist großartig. Die älteste Sprache und die jüngste. Kristallin, schematisch, eisenhart, logisch bis zur Unheimlichkeit, knapp, kurz. Monumental und rotzig. Und die Phonetik ist ebenfalls ganz beeindruckend schlicht, zumindest in der sephardischen Aussprache, in der es keine semitischen Kehllaute mehr gibt.

Wir müssen unbedingt wieder damit anfangen.

Historica

mgh_66.gifGefunden im Vorwort des X. Bandes der Constitutiones et acta publica-Reihe der Abteilung Leges in quart der Monumenta Germaniae Historica – „Dokumente zur Geschichte des deutschen Reiches und seiner Verfassungen“, herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften der DDR, bearbeitet von Margarete Kühn, Weimar 1979-1991, S. VII:

Die Bearbeiterin ist am 18. August 1986 im Alter von 92 Jahren verstorben. Der Tod nahm Margarete Kühn bei der Bogenkorrektur des letzten Textfaszikels von Band X die Feder aus der Hand. Hermann Krause, den sie als Gelehrtenautorität noch ihrer eigenen Generation hoch achtete, hat als dazu Berufener die Verstorbene in einem Nachruf gewürdigt (Deutsches Archiv, 42. Jg., 1986, S. 747).

In den letzten Jahren war Margarete Kühn die älteste Mitarbeiterin der Monumenta Germaniae Historica (seit 1941) und Nestorin der quelleneditorischen Arbeit über Karl IV. Verehrt und bewundert, brachte sie auf einem jahrelangen Krankenlager und unter ständigen Schmerzen als Achtzig- und schließlich Neunzigjährige die Kraft und den Willen auf, ihr Lebens- und Alterswerk, die Constitutiones-Bände König Karls IV. 1349 bis 1353, zu vollenden, zum bleibenden Nutzen der Geschichtswissenschaft.

Nun, bei der Lieferung waren die Seiten noch nicht aufgeschnitten…

Nachtrag: Dieses MGH-Faszikel von 1991 war, glaube ich, die jüngste Lieferung, das jüngste ausgelieferte Werk überhaupt mit nicht aufgeschnittenen Seiten, das ich je in der Hand gehabt habe. Ich vermute fast, daß man das zu der Zeit nur noch in der DDR so gemacht hat.

Kellers Kind

pzr110_kellers_kind.jpgPolizeiruf 110, „Kellers Kind“, HR 2008, Thomas Keller (Jan-Gregor Kremp)

:roll:

Ich schreibe das hier nicht, weil ich kürzlich auf k2 noch eine Tatorts-Erstaustrahlungs-Rezension versprochen habe, ohne zu bedenken, daß es heute gar keine Tatorts-Erstaustrahlung gibt…

Bevor ich schreibe, warum ich das hier schreibe, in Kürze zu der Folge: Leidlich spannend, obwohl der Aufriß ganz abenteuerlich absurd ist. Wer’s gewesen ist, ist aber sehr schnell klar; immerhin anhand von Lehmspuren an Schuhen – daß es das noch gibt! Immer wieder furchtbar holzige Dialoge: „Ich halte das einfach nicht mehr aus, diese Untätigkeit.“ Viel blau und grau, bravo. Catrin Striebeck, man sieht sie gern.

Ich schreibe das hier, weil sich in mir ein großer Zorn aufbaut. In zwei Dritteln aller von der ARD verantworteten Fernsehkrimis geht es mittlerweile in irgendeiner Form im obrigkeitlichen Sinne ums Kinderkriegen. Ebenfalls zwei Drittel enden mit Runterspring-Szenen. Das hier war einer aus der Schnittmenge beider Genres. übel

Der Wattenbach

96px-wilhelm_wattenbach.jpgGeschichte spiegelt sich in den Auflagen eines Geschichtswerkes – die Rede ist von Wilhelm Wattenbachs „Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts“, einer ganz besonders ehrwürdigen Quellenkunde, einem Hilfsmittel, das jedem Historiker bekannt ist.

Zuerst erschienen ist es 1858 als Lösung einer Preisaufgabe, Wattenbach selbst besorgt bis in die 1890er Jahre sechs Auflagen des ab der 2. Auflage zweibändigen Werkes – sein Haupt- und Lebenswerk.

Anfang der 30er Jahre verzögert sich die dringend notwendig gewordene Neubearbeitung – Wilhelm Levison, der die Zeit der Merowinger und Karolinger bearbeiten sollte, wird 1935 zwangspensioniert und kann sich 1939 mit knapper Not nach England retten, wo er 1947 stirbt. Levisons Nachlaß geht an Heinz Löwe, der dann die zwischen 1953 und 1973 in Weimar erschienenen fünf Hefte des nur mehr das Frühmittelalter bis zum Herrschaftsantritt des sächsischen Hauses abdeckenden „Wattenbach-Levison-(Löwe)“ herausgibt. Löwe lehrt „später“ in Tübingen.

Noch im Dritten Reich erscheinen aber die ersten Hefte der von Robert Holtzmann bearbeiteten drei Bände über die Zeit der Sachsenkaiser und der Salier. Abgeschlossen ist dies Werk 1948, neu herausgegeben wird es zwischen 1967 und 1971 von Franz-Josef Schmale. Schmale auch kann 1976 noch einen Band der zweibändig gedachten Fortsetzung („Vom Tode Heinrichs V. bis zum Ende des Interregnums“) vorlegen. (Bei einem der Mitarbeiter haben wir Anfang der 90er in einem früheren Leben noch studiert.) Band 2 ist „in Vorbereitung“.

Der Duft – ein Unterweltler

Aus der schon erwähnten „Kulturgeschichte der Gewürze“ ein unschlagbares Zitat über den Duft:

„Eigentlich lebt der Duft in der Unterwelt. Geleitet von der Augenmafia, überwacht von Ohrenspitzeln. Deswegen wohl auch immer flüchtig.“

Markus Czygan

(Hier selbstverständlich keine Visualisierung durch ein Bildchen, das können wir dem Geächteten nicht auch noch zumuten.)

Hundsstern

position_alpha_cma.pngGegen neun beim Laufen ein Wintersternenhimmel so schön, wie man ihn in der Großstadt selten zu sehen bekommt. Im Norden martialisch und winterlich-senkrecht die Sichel des Großen Wagens, im Osten der große Himmelskrieger, zu seinen Füßen der Große Hund. Zum ersten Mal erst in diesem Winter werde ich des Sirius‘ gewahr. Dieser stolze, kalte und gleichmütige Gast an unserem Himmel. Prächtig hoch droben die Zwillinge und die Pleiaden.

Schön; das ist ein Bild (sogar das Bild?) des Winters.

Von wegen martialisch: den Mars, der in den letzten Wochen so hübsch zu sehen war, konnte ich leider nicht zur herbeigesehnten Komplettierung des Bildes aufspüren.

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Repertorium Germanicum

rep_germ2.jpgMit dem „Repertorium Germanicum“ zu schaffen – einem zwanzigbändigen Wahnsinnsprojekt von Quellenedition, das die Erwähnung von Personen aus und Orten im Deutschen Reich in den Papstakten von den 1370er bis in die 1470er Jahre erschließt. Das Deutsche Historische Institut in Rom arbeitet seit einem Jahrhundert daran.

Aus dem Vorwort zu Band V/1,1 (Tübingen 2004): „Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt als Direktor des 1953 wiedereröffneten Deutschen Historischen Instituts (DHI) in Rom stellte Walther Holtzmann in seinem knappen Anriß der Institutsgeschichte fest: ‚Ein Sorgenkind war von jeher das Repertorium Germanicum‘.“ Kann man sich vorstellen…

Was mir neu war: Zuerst angestoßen wurde das Projekt von Ludwig Quidde – dem Linksabweichler in (und dann bald nicht mehr in) der deutschen Historikerzunft, Verfasser einer Satire auf Kaiser Wilhelm II. („Caligula“ ) und Friedensnobelpreisträger von 1927.

Der Kormorankrieg (Blum; Perlmann)

tatort_der_kormorankrieg.jpgTatort „Der Kormorankrieg“, SWR 2007, Klara Blum (Eva Mattes), Kai Perlmann (Sebastian Bezzel)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Umweltschutz, militante Kaulquappenzähler

:-)

Erfreulich wie die Konstanzer Folgen eigentlich immer – im Durchschnitt im Moment die besten Folgen, jedenfalls nie ganz finstere.

Die Verfolgungsjagd gegen Ende wäre ganz unnötig gewesen, wenn denn nicht schon um 21:27:30 (Gespräch zwischen Almuth Weiß und ihrem Mann) klar gewesen wäre, wer der Täter ist. Immerhin, dadurch kommt Perlmann zu seinem ersten Abschuß.

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„Konjunktiv 2″ eingestellt

k2.jpgDas Forum Konjunktiv 2 ist eingestellt.

Kurzbegründung: Das Betreiben besagten Forums hat in letzter Zeit meine psychischen Kräfte überfordert.

Eine detailliertere Begründung folgt wahrscheinlich in diesem Weblog, möglicherweise auch ein „Was nun?“

Civilisation

500px-code_civil_1804.pngDer Wind kommt heuer aus dem Osten – die Zivilisation immer schon aus dem Westen. Eine Ausgabe des Code Napoléon von 1808. Und zwar, das ist der Witz, eine zweisprachige. Ein schöner Quartband, rechte Seiten in Antiqua auf französisch, links Seiten in Fraktur auf deutsch: „Wir, Hieronymus, von Gottes Gnaden König von Westphalen…“

(Im Gegensatz zur Ganz-Originalausgabe heißt die zweisprachige Ausgabe übrigens auch wirklich auf dem Titelblatt Code Napoléon und nicht Code Civil.)

Drumherum stehen noch andere, kleiner Gesetzestexte aus der Zeit, Polizeigesetze und ähnliches, teils deutsch, teils französisch. In einer deutschen Ausgabe auf dem Vorsatzblatt: „Napoleon, Kaiser der Franzosen, König von Italien und Schutzherr des Rheinbundes…“

Ausflug in die Kulinargenetik

76px-illustration_coriandrum_sativum0.jpgBekanntlich empfinden viele Menschen, insbesondere Europäer, die die Verwendung von Koriandergrün als Küchenkraut nicht gewöhnt sind, seinen Geruch als unangenehm – nämlich als „seifig“ oder „wanzenartig“.

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