Monatsarchiv für Februar 2008

Europa ist so kurzsichtig! (aktualisiert)

Update: Im Figaro von gestern ein längerer Bericht über Frau Narotschnizkaja und ihre Bemühungen, im Auftrage des Zaren nun auch in Paris ein „Demokratie-Institut“ zu gründen. Sie bestreitet, von Kreml gesponsert zu werden, sondern sie werde von „15 NGOs“ unterstützt. (In Rußland scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben, daß es schändlicher ist, mit NGOs zu schaffen zu haben als mit Regierungen.)

(Der Artikel wäre allerdings überzeugender, wenn der Name ansatzweise richtig geschrieben wäre.)

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Oktogon

achteck.jpgMan belächelt seine alten Hysterien. Einige alte k2-Kumpane werden sich sicher an mein jahrelanges, wenn auch nicht unausgesetztes, so doch immer wieder neu aufgenommenes Toben über die neuen achteckigen, amimäßigen Polizisten-Sheriffs-Mützen erinnern. frei_sein hatte mich damals vergeblich mit dem Hinweis auf die Bayern zu trösten versucht, die sich auch an die preußischen Pickelhauben gewöhnen und von ihren hübschen Raupenhelmen Abschied nehmen mußten. Und nun: ich habe mich tatsächlich fast schon daran gewöhnt…

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Der große Tom

fme_der_grosse_tom.jpgFilm-Mittwoch im Ersten: „Der große Tom“, 2008, Tom (Wolf-Niklas Schykowski), Barbara (Aglaia Szyszkowitz), Cora (Sandra Borgmann)

:-/

Man würde diesen Film mit großem Vergnügen als ganz exzellenten, spannenden Unterhaltungsfilm mit großartigen Schauspielern (gerade auch die Kinder!), einem raffiniertem Drehbuch mit vielen Überraschungen und charmanten Details und einem durchaus noch erträglichen Maß an Süßlichkeit loben, wenn da nicht – nein, es geht nicht um das Ende! –, wenn in diesem Film nicht ganz ungeniert und unverschämt die Benutzung von Eßstäbchen bei der Konsumption asiatisierender Speisen propagiert worden wäre.

Ansonsten habe ich mir das wirklich gerne angeschaut – und daß, obwohl es um Kinder ging und die Hälfte der Zeit auch nur Kinder zu sehen waren.

Vervielfältigung

plagiat.jpgNur ein kleiner Hinweis auf einen besonders krassen Fall von krank- und krampfhafter Unternehmens-Selbstdarstellung: *klonk* :-( — und zu den Hintergründen, zur Causa also, hier: *klick* :-) Mich ärgert hier nicht so sehr der Fall an sich, sondern die Art, damit umzugehen. Eben der Reflex, aus allem und jedem einen Witz dreschen zu müssen. Erwischt werden und dann den, der einen erwischt hat, versuchen lächerlich zu machen. Da hat man zumindest öffentlich ein schlechtes Gewissen zu haben. Vor allem, wenn man auch noch sooo doof gewesen ist. Und in dem Verlag ist Asserates Manieren-Buch erschienen, pfui!

Ein Mädchen aus dem Osten

fille_de_lest.jpgDie Älteste Tochter scheint auf allen möglichen Gebieten immer noch gewisse opake, schwer nur durchschaubare Sonderrechte ihr eigen zu nennen, scheint sich eines außergewöhnlichen Wohlwollens numinoser Mächte zu erfreuen, scheint gerade in den ganz wichtigen Dingen eine Art Segens-Stein im Brett zu haben. In welchem mittel- oder nordeuropäischen Land gäbe es das heute noch: Eine Sängerin stellt in einer Hommage an ihre (regionale) Heimat zunächst einmal klar, daß die eigenen Leute – blond und blauäugig sind. Und keinen scheint’s zu stören, das Lied wird ein Hit. :-)

Ich mag das sehr, seit ich es so um 2003 herum zum erstenmal gehört habe.

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Kunersdorf, von 1912 aus gesehen

laudon.jpgVor mir liegt der 1912 in Berlin erschienene zehnte Band der dritten Abteilung des monumentalen Werkes über die „Kriege Friedrichs des Großen“, herausgegeben von der „Kriegsgeschichtlichen Abteilung II“ des „Großen Generalstabes“.

Es befaßt sich dieser Band mit dem großen Sieg bei Kunersdorf am 12. August 1759, in dessen Gefolge nur mehr das Phlegma eines russischen Generals die Armee Friedrichs II. vor ihrer vollständigen und endgültigen Zerstreuung durch die Truppen des Feldmarschalls von Laudon bedauerlicherweise bewahrt hat.

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Und Tschüss (Casstorff; Holicek)

tatort_und_tschuess.jpgTatort „Und Tschüss“, NDR 2008, Jan Casstorff (Robert Atzorn), Eduard Holicek (Tilo Prückner), Wanda Wilhelmi (Ursula Karven)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Angesehene Mitglieder der Hamburger Gesellschaft verschiffen Computerschrott in die Dritte Welt.

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Leider mußte ich mir das so abgelenkt und zerstreut anschauen, daß ich vermutlich weder die Stärken noch die Schwächen dieser Folge angemessen würdigen kann.

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RSSOwl auf Linux und Windows mit den gleichen Benutzerdaten

RSSOwlVor zweieinhalb Monaten hatte ich in meinem ehemals lieben Forum „Konjunktiv 2″ eine Anleitung veröffentlicht, wie mein Lieblings-Feedreader RSSOwl auf einem Doppel-Boot-System so zu installieren sei, daß die Linux- und die Windows-Installation auf die gleichen Benutzerdaten zugreifen – man also auf beiden Systemen mit den gleichen Daten arbeitet, alle Abonnements und Einstellungen nur einmal vornehmen muß, alle Neuigkeiten nicht zweimal als neu angezeigt bekommt etc.

Nun, ich bin weiterhin ein großer Fan von RSSOwl – es ist z.B. der einzige mir bekannte kostenlose Feedreader, der eingehende Beiträge nach bestimmten Suchbegriffen scannen und die Treffer in „gespeicherten Suchen“ zusammenfassen kann. Daher hier die Anleitung nochmals in überarbeiteter Form.

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be berlin

traenenlachen.gifWenn sich auch alle Verständigen schnell darüber einig werden, wie die Städte Breslau und Mailand auf deutsch zu benennen und wie diese ihre Namen auszusprechen seien, so muß sich hinsichtlich des Names der Stadt Berlin nunmehr eine betrübliche Unsicherheit breitmachen. Die Berliner Zeitung berichtet nämlich, daß sich Berlin in typisch preußischer Stilsicherheit das Motto „be berlin“ zulegen möchte.

Die Gemäßigte Kleinschreibung versteht sich hier, wenn auch nicht für den Angelsachsen, so doch gewiß für den Berliner geradezu von selbst. Nur: wie hat man das auszusprechen? /bi berlin/ oder /bi börlinn/? Mein Sprachgefühl jedenfalls versagt angesichts dieser Kombination eines Anglizismus und eines Slawismus auf engstem Raume ganz kläglich.

(Aufmerksam geworden durch fontblog.de)

Sophie Scholl – Die letzten Tage

fme_letzte_tage.jpgFilm-Mittwoch im Ersten: „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, 2005, Sophie Scholl (Julia Jentsch), Hans Scholl (Fabian Hinrichs), Robert Mohr (Alexander Held)

Als ich das vor einem Jahr zum ersten Mal gesehen hatte, habe ich – damals noch auf k2 – jubelnd in die Tasten gehauen, und ich wäre geneigt, das noch einmal zu tun. Ein exzellenter, kluger, mutiger, mitreißender und belehrender Film.

Aller historischer Film steht vor ganz unüberwindlichen Schwierigkeiten, deren wichtigste die Sprache ist. Wie anders hat man damals gesprochen. Schon was den Akzent und seine gesellschaftliche Rolle, vor allem aber auch, was den Tonfall, die Sprachkonventionen des sozialen Substrats, angeht. Wenn man Sophie Scholl, wie man das tun sollte, als Heldin zeichnen will, muß man sie sprechen lassen nicht wie eine heutige Studentin heute, wohl aber so, wie sich eine Studentin von heute eine Studentin von damals vorstellt.

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IX

207.gif♦ Friedbert Pflüger legt in seinem Weblog dar, was ihm (neben dem zu Recht vielgeschmähten Passus über die Assimilation) an Erdogans Rede noch und vor allem nicht gefallen habe – nämlich der Versuch, Türken mit deutschem Paß der Intervention der Türkei in die deutsche Politik dienstbar zu machen. Ziemlich deutliche Worte.

♦ Die Papier-FAZ veröffentlicht heute drei außerordentlich islamkritische Leserbriefe. Darunter schien mir einer zwar etwas geisterseherisch, aber doch zumindest bedenkenswert. Der Schreiber aus Berlin-Wedding weist auf die massenhafte Verbreitung des Anabolika-Mibrauchs in der Unterschicht hin; die futtern das Zeug, weil es muskelbildend wirkt. Angeblich macht es aggressiv. Keine Ahnung, ob das quantitativ für die „Jugendkriminalität“ von Bedeutung ist – jedenfalls ist es, nach allem, was man hört, in der Tat extrem weit verbreitet.

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Adiós

castro.jpgAls heute morgen die Nachricht von Castros „Rücktritt“ kam, war meine allererste Reaktion, mich wegen der nun zu gewärtigenden Unzahl dümmlicher, rührseliger und naiver Nachrufe in den deutschen Medien zu besorgen. Schon aus diesem Grund hätte man sich wünschen können, daß er im Amt gestorben wäre – dann wäre die Welle nur einmal übers Land gerollt; wie es nun aussieht, wird sie in einigen Monaten zurückgerollt kommen.

Das ZDF schreibt tatsächlich „Adiós Comandante!“ mit brav ergoogeltem Akzent über dem o, aber zweifelhafter Zeichensetzung. „Fast 50 Jahre lang stand Fidel Castro, der letzte Revolutionär des 20. Jahrhunderts, an der Spitze […]“ übel

Beifall von der falschen Seite

galileo.jpgAuf der Website des IT- und Design-Verlages Galileo Press ein interessanter und auch stilistisch gelungener Text zum Thema „gefälschte Amazon-Kundenrezensionen“. „Gefälscht“ heißt hier: Rezensionen, die gar nicht von Kunden verfaßt wurden, sondern von konkurrierenden Verlagen, und deren Zweck sind es ist, das rezensierte Werk zu diskreditieren. Man beachte in Sonderheit den grauen Kasten am Ende des Textes: eine sehr hübsche Anleitung zum Erkennen solcher Fälschungen.

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Librarything

librarything.jpgSo, ein (für uns) neues Web.Schrei-Null-Spielzeug ist anzuzeigen: LibraryThing, zu finden sub voce librarything.de, librarything.com usw. Man kann sich eine Online-Bibliothek zusammenstellen und von dieser auf verschiedene Arten und Weisen Online-Gebrauch machen.

Von nun an werden hier mithin im Seiten-Balken Bücher angezeigt: „Random Bücher aus meiner Bibliothek“. :-) Zunächst einmal werden das Bücher sein, die ich ganz besonders mag; vielleicht ändere ich den Anzeigemodus noch.

Zu tun für mich: Verknüpfung mit meinem millionenschwangeren Amazon-Werbe-Konto aus k2-Tagen. Es wäre mir nicht auf Anhieb klargeworden, wie das geht…

Zu tun für LibraryThing: Wäre es nicht sinnvoll, wenn man von der Site aus bibliographisch überzeugende Daten exportieren könnte? Es wäre mir nicht auf Anhieb klargeworden, ob und wie das geht…

(Aufmerksam geworden wieder einmal durch Scipios Weblog „Credo ut intelligam“.)

Borowski und das Mädchen im Moor

tatort_maedchen_im_moor.jpgTatort „Borowski und das Mädchen im Moor“, NDR 2008, Klaus Borowski (Axel Milberg), Frieda Jung (Maren Eggert)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: eigentlich keines, vielleicht noch: Glucken, die aus ihren Töchtern was machen wollen

:-(

Ganz schön ballaballa, hm?

Wenn bei einem Kriminalfilm von Anfang an bekannt ist, wer der Täter ist, muß im folgenden etwas ganz besonderes geboten werden. Dieses Besondere besteht hier aus Surrealem und Groteskem bzw. „Brechungen“ davon, ferner aus viel Herumgeschrei, ein bißchen Hausfrauenprostitution, einigen cineastisch wertvollen Kameraeinstellungen und zum Schluß viel Blut.

Kann sein, daß mein Bedarf an Genreparodien durch „Die fremde Frau“ schon und bis auf weiteres gedeckt ist, kann sein, daß ich vorhin einfach zuviel Grünkohl gegessen habe – aber ich fand das allemal fad und mau. (Das erste Mal, daß ich das von einer Borowski-Folge sage, glaube ich.)