Monatsarchiv für Juni 2008

Grabspruch auf ein Söldnerheer

Ich fahre fort mit den Borgesiana. Diesmal nicht mit einem Gedicht von Borges, sondern mit einem, über das Borges unübertrefflich geurteilt hat, nämlich mit dem Grabspruch auf ein Söldnerheer von A. E. Housman. Borges sagt in dem Essay Die Schamhaftigkeit der Geschichte (auch so ein Manierenratgeber in nuce!), er spüre bei diesen Gedicht den „elementaren Geschmack des Heldischen“. Genau.

Also:

(weiter…)

Das Sozialkonfetti zum Fenster hinaus

Ich habe aus diesem Weblog das Sozialkonfetti entfernt – also diese Linkgraphiken unter jedem Artikel zu verschiedenen Sozial-Bookmark-Diensten (Technorati, Google etc.). Meine Überlegungen dabei war in etwa diese:

Erstens wissen 90 % der Besucher eh nicht, was es damit auf sich hat.

Zweitens benutzen das von den 10 %, die es einordnen können, runde 0 %, weil sie – wenn überhaupt – andere Mittelchen haben, mit ihrem Lieblings-Bookmark-Dienst zu hantieren (Broswer-Plugins).

Drittens riecht das nach Web-2.0-Proletentum und sieht auch einfach Scheiße aus.

Viertens arbeitet faz.net seit dem Relaunch mit Sozialkonfetti.

Das sollten erst einmal genug Gründe sein… Falls das wirklich jemand vermissen sollte, bäte ich aber unbedingt um einen Hinweis!

Bildquelle: the_amanda, CC

Weiteres Gedicht von den Gaben

Zum drittenmal heute schon Hispanidad, zum zweitenmal Borges – und nach dem giftigen Ernst nun der freundliche Klee Xul Solar. Seit vielen Jahren schon schwärme ich für das „Weitere Gedicht von den Gaben“ von JLB:

Kompletter Text des Gedichts – verlegt’s Peter Hammer zu Cölln

(weiter…)

El novio de la muerte

Von wegen „haßerfüllte Gesänge“! Ein solcher wäre jetzt geradezu ideal, um mich vom Nachmittagsgammel vorm PC weg- und zum Sportprogramm hinzureißen.

Also, auch wenn wir es hier schon einmal hatten und jetzt nicht Karfreitag ist: Der Bäutigam des Todes.

Und das Plakat ist toll! Außerdem paßt das gerade alles bestens zu (m)einer gewissen destruktiven Grundstimmung. :-D

Eine Trouvaille über den Neid

Gerade im Web gefunden, Beobachtungen über den Neid:

Und wieso kenne ich solche haßerfüllten Gesänge noch besser und woher?

Es sind nicht die erfreulichsten Gestalten, die so rumpöbeln, andere in Schubladen stecken, sich nicht mit anderen freuen oder sie wenigstens in Ruhe lassen können.

Ich erinnere mich an einen mißmutigen Jungen, der den selben Schulweg hatte wie ich. Schon mit 12 fraß ihn der Neid auf. Am meisten der auf alle, die nicht neidisch auf andere waren. Er spielte nicht schlecht Fußball, aber sonst wollte keiner so recht mit ihm zu tun haben. Das war vor der Zeit des Mobbing, als Jungs noch so was wie eine anfanghafte Solidarität miteinander hatten.

Jetzt, 40 Jahre später, frisst es ihn immer noch auf. Schon scheiße.

Ungelesen löschen, den Kommentar, […].

(weiter…)

Borges zum Frühstück

Aber diesmal nicht den Anfang des „Deutschen Requiems“, sondern dessen Ende – auf die Gefahr hin, daß es auf verschiedene denkbare Arten mißverstanden werde:

Soll es den Himmel geben, auch wenn unser Ort die Hölle ist.

Ich betrachte mein Gesicht im Spiegel um zu erfahren, wer ich bin, wer ich bin, in welcher Haltung ich in ein paar Stunden dem Ende entgegengehen werde. Mein Fleisch mag Angst fühlen; ich nicht.

Grenzenloser Optimismus, mithin.

Boker tow 2

bokertow2.jpgVerschlafen und zur Strafe von einer FAZ-Titelseite von unausdenklicher Scheußlichkeit im Tag begrüßt worden. Das erinnert mich an einen Vorfall in einem kleinen politischen Forum vor langen Jahren. Eine Frau postet in der Laberecke dort gegen abend ohne Vorwarnung ein Foto ihres eigenen Babys – ein weitaus weniger entsetzliches als das in der FAZ heute, wohlgemerkt. Ein Moderator anwortet sofort: „Na toll, ich wollte heute eigentlich noch zu abend essen.“ Ja, Männer reagieren da halt anders als Frauen, und ich bin mir sicher, daß das FAZ-Foto von eine Frau verantwortet wurde.

In der FR das hier:

(weiter…)

Jean-Pax Méfret: Evocation des guerres de Vendée

Nein, viel Neues von Jean-Pax Méfret gibt es nicht auf Youtube. :-( Ich hatte vorhin nachgeschaut… Immerhin einen (nur gesprochenen) Gedenktext für die tapferen Bauern der Vendée habe ich gefunden. Auch in Erinnerungen an die alten k2-Tage binde ich ihn hier ein, dekoriert mit efessens altem Ava.

fs schrieb vor 1158 Tagen, am Montag, 25.4.2005, 10:09:

(weiter…)

Der Ewige Ösi und der neue Neue Russe

Wer vor dem zweiten Halbfinale noch leidlich kurzweilige Lektüre mit Konnex zum Ereignis sucht, dem seien zwei Artikel empfohlen:

iht_kimmelman.jpgMichael Kimmelman berichtet in der IHT aus amerikanischer Perspektive recht amüsant über die zuweilen ein wenig gequält wirkenden Versuche der österreischen und der fußballerischen Obrigkeit, die EM in das kulturelle Erbe Österreichs einzubinden (oder umgekehrt): „In battle for Vienna: Soccer 1, Culture 0.“ Es ist von der Kommerzialisierung und Durchsponsorung der EM die Rede und vom „Anschluss“ auch. Und von den hohen Bierpreisen.

(weiter…)

Was fehlt

somalia_naechste_runde.jpgLesern mit einem ausgeprägten Sinn fürs Absurde und/oder mit einer exzeptionellen Leidensfähigkeit empfehlen wir die Lektüre der ersten Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Man macht sich aus gegebenem Anlaß Gedanken darüber, man gestatte mir das Zitat, „ob die am Horn von Afrika unter dem Anti-Terror-Mandat (OEF) eingesetzten Schiffe der Deutschen Marine zur Bekämpfung der Piraterie eingesetzt werden dürfen.“ Dafür sei eigentlich die Bundespolizei zuständig, so die Überlegung, man brauche da „Rechtssicherheit“.

Und wetten? Die Piraten bekommen ihr Geld und dürfen sich auch darüber verzanken. (Wir lassen uns wirklich gerne eines Besseren belehren…)

Großes Eszett

gross.jpgHeise meldet es, die Typoseiten werden es aufgreifen, hier als kurze Notiz: Die ISO, die sich in dieser Hinsicht anscheinend zuständig fühlt, hat das ß als Großbuchstaben… Ja, was hat sie eigentlich mit dem großen ß? Es bewilligt? Seine Existenz bestätigt? Ich weiß nicht, was so in Normer-Gehirnen und -Gemütern vor sich geht. Der Tenor der Heise-Meldung läßt jedenfalls erahnen, daß es das Versal-ß nun in einer gleichsam manifesteren Form als vorher „gibt“.

Sechzig Jahre Luftbrücke

Viele Worte machen will ich nicht, brauche ich auch nicht: Frankenberger findet genug kluge und vor allem wie üblich unaufgeregte in der FAZ-Heckscheibe (auf FAZ.net ist das einbetoniert) über die Bedeutung der Luftbrücke für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und über den bleibenden Wert der Standfestigkeit für den Freien Westen. Interessant das hier:

(weiter…)

Drei schwere Jahre

10dm.jpgGestern hat sich die Währungsreform von 1948 zum sechzigsten Male gejährt. Ich hatte keine Zeit, etwas dazu zu sagen, und weiß auch wenig Kompetentes beizusteuern.

Eine Assoziation habe ich aber doch. Es gibt ein kleines Büchlein von vielleicht hundert Seiten aus dem Jahre 1948. Es heißt „Drei schwere Jahre“ und ist vom Stadtbauamt herausgegeben – eine Art Rechenschaftsbericht für die Öffentlichkeit über die ersten drei Jahre des Wiederaufbaus.

(weiter…)

We love the new

Alle mal herhören, befangene Leser gesucht… Es geistert gerade durch die Blogs, wobei im wesentlichen von der WAZ abgeschrieben wird: Das Bundesland Nordrhein-Westfalen wird eine „Image“-Kampagne unter dem Slogan: „We love the new. Leading region in Europe. North Rhine-Westphalia“ starten. (Die Punkte habe auf Verdacht ich gesetzt – so ungefähr soll es wohl zu verstehen sein.)

(weiter…)

Deutschland – Türkei (aktualisiert)

faz_tuerkei.jpgAktualisierung: Die FAZ macht heute mit einem Titelbild auf, bei dem man sich nicht ganz sicher ist, ob sie ihren Lesern Angst einjagen oder ob sie sie untererhalten will. (Nun, daß sie vor allem ganz einfach Aufmerksamkeit schinden will, versteht sich.)

(weiter…)