Monatsarchiv für Oktober 2008

Aceh als muslimische Erfolgsgeschichte – Skandinavier überflüssig

Kishore Mahbubani, seines Zeichens Dekan der Lee Kuan Yew School of Public Policy der Nationalen Universität von Singapur, kritisiert – durchaus im Sinne des Namenspatrons des von ihm geleiteten Instituts – auf Project Syndicate die Entscheidung des norwegischen Nobelpreiskomitees: „Ungerechtigkeit bei Nobelpreisverleihung“.

Er zweifelt (natürlich) nicht daran, daß Martti Ahtisaari ein bedeutender Mann sei, der den Nobelpreis verdient habe.

(weiter…)

Anonyma – wie betonen?

Vorhin mußte ich lachen, weil hier ein Treffer reinkam, der bei Google nach „Anonyma wie aussprechen“ gesucht hatte. Aber von wegen… Gerade gab’s auf WDR ne Kultur-Trottel-Sendung, da wurde das durchgängig auf den o betont, das o kurz. Wäre mir nie eingefallen, klingt für mich wie ein Anglizismus. Meinetwegen auch philologisch, aber paßt doch nicht in die Epoche. Oder? Also wie?

Keine Farbe mehr auf der FAZ

(Man verzeihe mir den Titel, ist ’ne Anspielung auf einen alten k2-Thread…) Idee und Umsetzung finde ich diesmal relativ gelungen; im Erläuterungstext wird nochmals auf die schwarze Piratenflagge angespielt, die sie neulich auf dem Titel hatten – nun segele nach Meinung der deutschen Obrigkeit die Schweiz unter schwarzer Flagge.

Worauf ich allerdings nicht gewartet habe (Update)

wäre zum Beispiel die absehbare Haider-Grusel-Zitaten-Sammlung, kompiliert von einem der Störungsmelder-Langweiler. (Hier ist sie.) Bezeichnend für die Muckel-Mentalität dieser Typen ist auch dieser Satz:

Um hier nicht falsch verstanden zu werden: Niemandem, auch nicht dem größten politischen Gegner, ist ein so plötzlicher Tod zu wünschen.

(weiter…)

Den Neuen Menschen formen

Zu einem recht witzigen Start in den Lesetag verhilft uns der Soziologe Wolfgang Sofsky mit einer Polemik in der Welt: „Vom Größenwahn der Pädagogen“. Mir scheint die erste Hälfte, in dem er sich über die vorgebliche Allzuständigkeit pädagogischer Maßnahmen und die Heilserwartung in sie lustig macht, etwas gelungener als die zweite, in der er sich – immer noch treffend genug – über die Degenerierung des deutschen Bildungswesens beklagt.

Ein Absatz:
(weiter…)

Worauf alle gewartet haben

Auf eine Stellungnahme Elfriede Jelineks zum Tode Jörg Haiders und zu den Umständen seines Todes. Der Perlentaucher hat sie gefunden: „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“.

Stimmen zu „Anonyma“

Heute mehrere Rezensionen des Films „Anonyma“ von Max Färberböck gelesen.

Andreas Kilb liefert in der FAZ einen richtiggehenden Verriß. Er lobt die Buchvorlage und wirft dem Film vor, objektiv sein zu wollen, wo man nur subjektiv sein kann. Die Charaktere seien viel zu klischeehaft und schematisch, der Keller viel zu groß, um das Breitwandformat zu füllen. Besonders scheußlich sei die Liebesgeschichte:
(weiter…)

Appel de Blois – lu et apprové

In Frankreich hat die Rebellion der Historiker im Jahre 2005 begonnen – aus gegebenem Anlaß weitet sie sich nun auf das restliche Europa aus. Timothy Garton Ash – um deutliche Worte nie verlegen – legt im Guardian dar, worum es geht:

(weiter…)

Wellness und Business

Schon gestern widerlegt Wolfgang Ullrich in der taz mit klugen Beobachtungen eine These, die niemand aufgestellt hat – nämlich das Wellness und Business nichts miteinander zu tun hätten: „Hauptsache, schön flüssig“. Tatsächlich liegt die engste Verwobenheit beider Gebiete klar zutage: „Wellness“ ist was für Business-People und für alle anderen, die weder für richtigen Sport noch für ein anständiges Rumsumpfen zu gewinnen sind.

„Der Täter heißt Google“

Jesus fucking Christ, was ist das denn für ein Scheißtitel?! Wir finden ihn über einem auch ansonsten ganz und gar hämischen Artikel von Reinhard Müller in der FAZ-Heckscheibe. Klingt fast wie Fernaus „Der Schuldige steht jenseits des Ozeans.“ Es wird das Urteil des notorischen „Landgerichts Hamburg“ gegen die Firma Google referiert. Ja, man sehnt sich in Frankfurt in die guten alten Zeiten zurück, in denen man den höheren Ständen quasi-exklusiv das vorsortierte Weltbild auf den Frühstückstisch zaubern konnte; kennt man. Da tut ein solches Urteil sicher einmal wohl.

„Alles hat seine Zeit!“

Gerade bin ich wieder an dem K(l)otzkasten der EKD Ecke Herrenhäuser Straße-Schaumburgstraße vorbeigetrabt, wohne ja keine 500 Meter von denen entfernt. Und wieder, wie schon mehrmals in den letzten Tagen, habe ich mich über das auch optisch nicht ganz mißratene Plakat der Aktion Alles hat seine Zeit! Advent ist im Dezember. gefreut.

(weiter…)

Boshaftigkeiten

Es ist von Sonnabend, ich sehe es erst jetzt, möchte es aber noch kurz notieren. Lorenz Jäger hat sich auf der Buchmesse mit einem bis dahin befreundeten „Misanthropen“ verzankt. Daß er das hat, läßt er die interessierte Öffentlichkeit wissen, um wen es sich handelt allerdings nicht: „Ins Boshafte übersetzen“. Bis jetzt schienen ihm Misanthropen immer viel sympathischer als Humanisten, jetzt hat er gemerkt, daß es sich bei Misanthropen um Humanisten „mit umgekehrten Vorzeichen“ handelt.

Zechereien auf der Buchmesse sind ein idealer Augenblick für neue Bekanntschaften, aber auch für ein zünftiges Zerwürfnis.

Es scheint in der Tat recht ordentlich gekracht zu haben, wenn’s so einen Artikel wert war… Ach ja, Journalist müßte man sein. Ich kann mich immer nur hier im Blog mit Vinneuil verzanken. ;-) Da ist dann aber immer klar, um wen es geht.