Archiv der Kategorie

Feuilleton

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Licht aus

mond

Also gut, wenn es denn den sächselnden Protofaschisten gelungen ist, einen kleinen Sieg, einen allerersten Anfangserfolg gegen die übermächtige und allgegenwärtige Dauer-Anstrahlerei jedes auch nur halbwegs sehenswerten Gebäudes in wirklich jeder langweiligen Mittelstadt zu erringen, so sei ihnen von Herzen gedankt.

Lutz, bitte noch ’ne Bratwurscht! Und meine Mendy, Jahrgang ’75: Ich liebe Dich! :love:

Seit fünfzehn Jahren bin ich auf dem Weg nach links. Hier, wo ich jetzt stehe, werde ich wohl eine Weile bleiben. Ich hoffe mithin, gegen den Vorwurf, „Kulturkritik“ zu betreiben, halbwegs gewappnet zu sein.

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Flüchtlinge willkommen! Wirklich?

refugees_welcome

Nicht nur Dresden läuft. Auf dem Logo der gegen die Dresdner Ereignisse gerichteten sicher sehr lobenswerten und sehr gutgemeinten Kampagne laufen auch die Flüchtlinge. (Die ein bißchen aussehen wie die alten grünen DDR-Ampelmännchen.) Es steht zu hoffen, daß sie besser laufen können als der Slogan, den man um sie herum drapiert hat: „Refugees welcome“. Denn dieser Slogan hinkt auf beiden Beinen.

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Dresden bleibt Dresden, wie es singt und läuft

semperoper

Dresden singt. Zwar erst seit gestern und auch nur etwas holprig und dürr die erste Strophe von „Alle Jahre wieder“, den Text vom Blatt im Großdruck abgelesen. Aber Dresden singt. Nur Dresden singt. Und Dresden läuft. Seit zehn Wochen schon, und bis jetzt laufen immer mehr Dresdner mit. (Nächsten Montag will man nicht laufen, denn dann kämen der Feiertage wegen zum erstenmal nicht noch mehr Leute, und das wäre ja peinlich.) Vor allem aber: nur Dresden läuft.

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Chanukka

chanukka

Heute (17. Dezember) ist der erste Tag des achttägigen jüdischen Lichterfestes, also der erste Tag von Chanukka. Wie immer bei jüdischen Feiertagen ist das Datum ein bißchen verwirrend: Diese Feiertage fangen immer schon bei Sonnenuntergang des Vorabends an – wie eben jeder jüdische Tag bei Sonnenuntergang des Vorabends beginnt und bei Sonnenuntergang endet. Dieser kleine Artikel wäre also eigentlich besser gestern abend erschienen – nach jüdischer Rechnung ist jetzt (22:30) schon der zweite Tag Chanukka.

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„Die Leute vom Damme“ 1 – Engelbosteler Damm Nr. 45

Brawand - Leute - 1

Es stimmte also:

[Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Häuser am Engelbosteler Damm umnumeriert worden, so daß das Gebäude Nummer 119 jetzt die Nummer 45 hat. In dem nach der Brandnacht im Jahre 1945 wieder bewohnbar gemachten Haus existiert im Erdgeschoß noch das Zweiradgeschäft Fleischmann, von dem Sohn weitergeführt, und in den Räumen der früheren Bäckerei Seelemeier ist eine Gastwirtschaft eingerichtet worden]

S. 24

Brawand hat in dem Haus gewohnt, in dem auch heute noch mein Fahrradhändler Fleischmann sitzt. In Nr. 47 rechts daneben sitzt dann heute mein Zahnarzt. Aus beiden Häusern guckt man nach hinten auf den Schulhof der Lutherschule, auf der ich Anno 87 mein Abi gemacht habe.

Heimat! :-)

Ganze Männer

Honoré Daumier: Don Quijote - ca. 1868

Hier möchte ich zwei Zitate hintereinander stellen, die hintereinander zu stellen manchen überraschen mag, die mir aber erstaunlich gut zusammenzupassen scheinen – Hervorhebungen in halbfett jeweils von mir. Das erste stammt aus Albrecht Müllers vor einem Jahr erschienenen Buch „Brandt aktuell“, und zwar handelt es sich um die bewegenden letzten Absätze des Werkes, ich hatte sie hier schon einmal zitiert:

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Stalins Ukraine

ukraine_wappen

Viel ist dieser Tage von der Souveränität der Ukraine und von der Verletzung dieser Souveränität durch Rußland die Rede – am allermeisten und wieder und wieder in der FAZ, aber auch in vielen anderen rußlandfeindlichen Mainstream-Medien. Auch wenn dem nicht per se zu widersprechen sein sollte, scheint doch ein Blick in die Geschichte angezeigt, um sich klarzumachen, daß die Souveränität und die territoriale Ausgestaltung dieser Souveränität direkte Ergebnisse der bolschewistischen Nationalitätenpolitik in den Jahren nach der Oktoberrevolution sind.

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Mein 9. November 1989

Mauerfall_89

Im November 1989 war ich im zweiten Semester und demgemäß mit dem noch eifrigen Studieren befaßt – noch eifriger hingegen mit Partyfeiern, Diskogehen und irgendwelchen Weibergeschichten. Meine Erinnerungen an den 9. November und die Tage danach sind daher vage und unpräzis.

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„Das ist nicht so meins“ / „Das ist genau meins“

Eine der absolut nervtötendsten Mode-Sprachmarotten des letzten Jahres… :übel:

junge Welt: „Rechtsrutsch droht“

07.04.2014: Rechtsrutsch droht (Tageszeitung junge Welt)

Ähnliche Stimmen warnen, daß der Dynastie der Gandhi-Familie nun eine harsche Modi-Diktatur folgen könnte. Sie wäre eine besondere Variante des Neoliberalismus, verquickt mit hinduistischem Nationalismus und ökonomischem Fortschritt. In der Times of India schreibt der Analyst Kanti Bajpai von der Gefahr einer »Reise in Richtung weichem Faschismus«. Sie erhalte Nahrung durch die Ansicht, nur Modi könnte Indien retten, er sei der »einzige entschlossene, effektive, saubere und visionäre Politiker«. Unterstützt werde er von Unternehmern, die genug hätten von kostspieligen Sozialprogrammen, maroder Infrastruktur und zu vielen bürokratischen Vorschriften, und einer enttäuschten Mittelklasse, die zwischen der Oberschicht und den Armen hänge und nicht genug vom Wirtschaftsaufschwung profitiere.

Das kennen wir doch irgendwie aus der näheren Nachbarschaft Europas, nicht wahr?

Der „Aprilscherz“ der NachDenkSeiten

Schwaben sollen bitte schaffen – das können sie. Aber bitte keine Witze machen. Das können sie definitiv nicht.

Und überhaupt sollte niemand „Aprilscherze“ machen.

:crap:

FAZ: „Krim-Krise: Wladimir Putins Kampf gegen den Rest der Welt“

Krim-Krise: Wladimir Putins Kampf gegen den Rest der Welt

Ein gutmütiges Russland und viele böse Nachbarn – so sieht die Grundeinstellung des russischen Präsidenten aus. Das Verhältnis zwischen seinem Land und dem Rest der Welt beschreibt er als ständigen Abwehrkampf.

Ich (und jeder) weiß, daß diese Mischung aus Larmoyanz und Aggressivität für den russischen Nationalismus (und weiß Gott auch für andere Nationalismen, so auch für den deutschen) ganz typisch ist. Allein: Nach der Lektüre von Putins Rede vermag ich in ihr nichts oder doch nur sehr wenig davon zu entdecken. Veser unterstellt hier Putin, etwas gesagt zu haben, was jeder Rußland-Hasser von ihm erwartet hätte, was er aber nicht gesagt hat, jedenfalls nicht essentiell.

Historisch ist Putins Behauptung falsch, der Osten und der Süden der heutigen Ukraine gehörten eigentlich nicht zu ihr – in diesen Gebieten sind seit dem 15. Jahrhundert Gemeinwesen ukrainischer Kosaken entstanden, die erst ab Mitte des 17. Jahrhunderts unter Kontrolle des Zarenreichs gerieten.

Hier bemüht Veser einen nationalen Mythos zur Widerlegung eines anderen! Als ob die Saporoger Kosaken wirklich Ukrainer (oder auch nur ihre „Vorfahren“) gewesen seien! Mumpitz! Um von der äußerst zweifelhaften Zeitangabe „15. Jahrhundert“ gar nicht erst zu reden.

junge Welt: „Im Westen nichts Neues“

22.03.2014: Im Westen nichts Neues (Tageszeitung junge Welt)

Im Wochenblättchen Jungle World (20. März), zuständig für die Befürwortung und Beschönigung US-amerikanischer Interventionen unter vermeintlich linker Flagge, schließlich klagt Ivo Bozic: »Die deutsche Linke kann sich zu einer Verurteilung der russischen Großmachtpolitik nicht durchringen.« Die Friedensbewegung sei »antiamerikanisch und antiwestlich«, was sie mit dem Nichtdemonstrieren für die Krim einmal mehr bewiesen habe. »Was wäre wohl losgewesen, wenn die US-Regierung auch nur angedroht hätte, irgendeinen Teil unseres Planeten, aus welchen angeblich edlen Motiven auch immer, militärisch zu besetzen?« Ja, was wäre dann wohl los? Der Mann von Welt und seine Kreuzberger Dschungelkämpfer würden wieder Beifall klatschen wie bei der Irak-Invasion und der Afghanistan-Attacke – oder um mehr Beistand bitten, wie für die syrischen Gotteskrieger, die von der CIA noch keine Boden-Luft-Raketen bekommen haben wie weiland die Mudschaheddin in Afghanistan. Denn das ist das eigentliche Ärgernis. Rußlands Präsident hat ordentliche »Ordnungskriege« im Nahen Osten verhindert. »Putin hält seine schützende Hand über das iranische Regime und über Syriens Diktator Baschar Al-Assad.«

junge Welt: „Westen bloßgestellt“

19.03.2014: Westen bloßgestellt (Tageszeitung junge Welt)

Krim und Sewastopol offiziell in Rußland aufgenommen. Hilflose Empörung in Kiew, Washington und Berlin. Transnistrien will jetzt auch russisch werden

[...]

Wörtlich sagte er [Putin]: »Die Krim war immer russisch, ukrainisch und krimtatarisch – aber sie wird niemals den Bandera-Leuten gehören.« Die in Kiew mitregierende »Swoboda«-Partei beruft sich auf den Nazikollaborateur Stepan Bandera.

Wobei das „ukrainisch“ in Putins Aufzählung staatsmännisch-freundlicher Unfug ist… Punkt für Punkt recht hingegen hat Putin hiermit (abgesehen vielleicht von dem Möge-Gott-richten-Einschub):

Nach der Revolution fügten die Bolschewiki aus verschiedenen Gründen – möge Gott darüber richten – große Teile des Territoriums im historischen Süden Rußlands zur Unionsrepublik Ukraine. Das wurde ohne Rücksicht auf die nationale Zusammensetzung der Einwohner vollzogen, heute ist das der Südosten der Ukraine. 1954 wurde dann entschieden, ihr den Krim-Bezirk und Sewastopol, obwohl die Stadt direkt der Union unterstand, zuzuschlagen.

Jungle World: „Für immer Frisch – Autoren aus der Schweiz“

jungle-world.com – Archiv – 11/2014 – Dschungel – Autoren aus der Schweiz

Jede Schülergeneration leidet aufs Neue am hohen Anteil von Schweizer Autoren im Curriculum. Die gelten bei heimischen Pädagogen als die besseren Deutschen. Warum ihnen damit nicht nur Unrecht getan wird, erklärt Magnus Klaue.

Ohne das Jungle-World-typische Antisemitismus-Geschwurbel wären das recht amüsante und kluge Betrachtungen.

Nur weil alle Schulen der Nation sie im XXL-Pack aufkaufen, werden zünftige Abgähner wie »Andorra« und »Die Physiker«, »Homo faber« und »Mein Name sei Gantenbein« überhaupt noch nachgedruckt.

Und ich weiß bis heute nicht, wie es mir gelungen ist, durch meine 13-jährige Schulzeit zu kommen, ohne jemals auch nur einen dieser Titel lesen zu müssen…