Qualitätsjournalismus

Lohnt das hier eigentlich die Aufmerksamkeit?

faz

Irgendwie nicht, oder? Nach meinem Eindruck wird es mit FAZ.net in den letzten Wochen nochmals und deutlich schlimmer. Eine in dieser Form und Dichte zuvor nicht gekannte Boulevardisierung macht sich merklich.

Ich habe es keine Minute bedauert, 2008 mein Abonnement der Papier-FAZ gekündigt zu haben? Was also nun mit dem RSS-Feed anstellen?

:-(

NachDenkseiten (Hinweise des Tages) : [Zur Anti-AdBlocker-Kampagne]

Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website

p.s.: Zum Schmunzeln regt freilich der Kommentar des zitierten „Medien-Beraters“ Thomas Koch an. Selbstverständlich sehen nur Adblock-Nutzer die „No-Ad-Blocker-Please“ Fenster, vollkommen blöd sind die Online-Plattformen ja auch nicht. Das zeigt aber wieder einmal, wer sich heute so alles „Medien-Berater“ nennen darf.

Zwar war das („sehen ohnehin nur die mit Adblocker…“) auch mein erster Gedanken, als ich das Statement des „Medien-Beraters“ gelesen habe, aber so ganz stimmt auch das nicht: Denn den Bohei wegen der Sache gestern, den haben ja auch viele Leute mitbekommen, die keinen Werbeblocker haben. Wobei wiederum zugegeben sei, daß der Bohei in erster Linie die Netz-Junkies interessiert haben wird, die fast alle mit Firefox plus Adblocker im Web unterwegs sind. Aber eben nicht ausschließlich diese…

Und es sei auch hier nochmals verlinkt: Wie man mit Adblock Plus seine Filterliste manuell aktualisiert und so den Quatsch sofort (und nicht erst in einigen Tagen nach dem nächsten Auto-Update) wieder loswird.

Des weiteren schließe ich mich der gestern vielfach zu hörenden und nun auch von den NDS vorgebrachten Argumentation an: Wenn die Werbung von SpOn, FAZ & Co. nicht so furchtbar groß, penetrant, blinkend, schreiend und auch noch ressourcenfressend (Flash) wäre, hätte man auch nicht das Bedürfnis, sie abzuschalten.

Und auf Seiten, die ich mag und unterstützen will, habe ich den Adblocker ohnehin abgeschaltet – wie man es eben machen sollte. Also zum Beispiel auf den Nachdenkseiten. (Sicher aber nicht beim Spiegel, der FAZ oder der Bildzeitung.)

Zu Syrien

Kurz hingehustet… Es nervt.

Seit vielen Monaten geht das nun schon so: Sobald der syrische Bürgerkrieg einmal ein bißchen aus den internationalen Medien verschwindet, kommt es zu einem Massaker, das angeblich von den Regierungstruppen begangen wurde – und bei dem sich hinterher herausstellt, daß es höchstwahrscheinlich die Rebellen waren.

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FAZ-Wirtschaft

Ich möchte es kurz loswerden. Jeder weiß, daß der Wirtschaftsteil der FAZ seit jeher quittegelb ist – um es freundlich auszudrücken. Ich bin mir aber fast sicher, daß folgende Wahrnehmung nicht meinem persönlichen Linksruck in den letzten Jahren geschuldet ist:

Was uns die Wirtschafts-FAZ (und mit ihr im Verein die FAS) in den letzten Wochen an dümmlich-propagandistischem neoliberalen Trommelfeuer, an die Schwelle der Vulgarität überschreitendem, boulevardesken und bloggigen „Libertären“-Gehuber bietet – das hat es nach meinem Eindruck (!) in der Geschichte der FAZ noch nicht gegeben. Das fängt bei der idiotischen „Vollbeschäftigungs“-Kampagne der letzten Woche nicht an und hört bei Pamphleten zum Kirchentag nicht auf. Zum Kotzen und ein rundheraus erbärmlicher, unwürdiger Anblick.

Woran liegt’s? Ist es wirklich nur rationales Propagandisten-Kalkül angesichts der heraufziehenden Bundestagswahl, wie die Meinungs-Mache-Demaskierungs-Experten von den Nach-Denk-Seiten vermutlich behaupten würden? Oder sitzt der Stock der sinkenden Auflage doch so tief im Arsch, daß die Boulevard-Masche der FAS nun auch in größerem Stil im Mutterblatt ausprobiert werden soll? Glaubt man, ähnlich wie die FDP-Bubis, auch, damit „25 % der Bevölkerung“ ansprechen zu können? Glaubt man, in den „libertären“ Blogger-Spinnern („Achse des Guten“ etc.) ein neues Leserreservoir ausgemacht zu haben? Na, gutes Gelingen.

NachDenkSeiten: „Hinweise des Tages“

Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Zu einem Artikel des Blogs „Carta“ über die möglichwerweise bevorstehende Gründung eines deutschen Ablegers eines in den USA, so liest man immer wieder, in gewissen Kreisen sehr geschätzten Online-Mediums namens „Huffington Post“:

Anmerkung JB: Die NachDenkSeiten kommen auf rund ein Zehntel der Besucherzahlen der HuPo- und dies mit rund einem Tausendstel des Content und einem Zehntausendstel der Belegschaft. Diese Zahlenhuberei ist irgendwie albern. Wolfgang Michal trifft mit seinem Seitenhieb auf das (Selbst)Ausbeutungsmodell, ohne dass die HuPo nie funktionieren könnte, voll ins Schwarze.

„Steuersünder“

Ich kann das Wort nicht mehr hören – wie gerade einmal wieder bei den neoliberalen Meinungsmachern vom ZDF-Auslandsjournal: „Wie das Ausland mit seinen Steuersündern umgeht“.

Steuerhinterziehung ist objektiv, also juristisch glashart, Kriminalität – und nichts anderes. Oberschichten-Kriminalität, in diesem Fall, soziologisch gesehen (dieses sehr treffende Wort fiel heute im Bundestag, ich habe vergessen, von wem).

Durch die semantische Anlehnung an „Parksünder“ wird sie zu einer bloßen Ordnungswidrigkeit, zu einem Kavaliersdelikt verharmlost.

(Was von „Kavalieren“ zu halten ist, die Schlachter-Söhne sind und auch noch ganz deutlich so aussehen, ist dann wohl eine andere Frage.)

Wir haben heute ein Tat-Strafrecht und kein Täter-Strafrecht mehr – gut so, recht so. Man wird wegen Mordes bestraft und nicht, weil man „[ein] Mörder [ist]“, wie es früher im StGB hieß. Aber ein ulkiger „Mordsünder“ ist man daher Gott sei Dank auch heute noch nicht.

Carta: „Hinter der Paywall: Ende der Diskussion“

Hinter der Paywall: Ende der Diskussion — Carta

Lange nicht mehr so einen selbstreferenziellen, egozentrischen Blogger-Schwachsinn gelesen. Nach der Logik hätte es, bevor es das Internet gab (bzw. offensichtlich bevor es „Carta“ gab), überhaupt keine öffentlichen Debatten gegeben.

Wenn dieser Text über Seerechtsfragen in der FAZ denn so himmelstürmend Bedeutsames enthält (was man bezweifeln darf), warum ist es einem Journalisten dann nicht zuzumuten, sich diese FAZ zu besorgen – am Kiosk, in einer Bibliothek oder sonstwo? Vermutlich, weil er dann nicht verlinken kann und C&P auch wegfällt, und ihm daher dann etwas zum Glücklichsein fehlt. Kurios zu glauben, daß nur das „öffentlich“ sei, was sich in der Unterhose vorm PC recherchieren läßt.

Schon die affige, größenwahnsinnige Eitelkeit ist zum Verzweifeln lächerlich: „Die Papier-FAZ hat nur eine beschränkte Reichweite, wir, ‚Carta‘, hingegen haben eine unbeschränkte Reichweite“ – so liest sich das. Jäp, wir auch. :drrr:

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FAZ: „Adenauers ‚Freies Fernsehen‘: Der Bundeskanzler hatte es satt“

Adenauers „Freies Fernsehen“: Der Bundeskanzler hatte es satt – Medien – FAZ

Das ZDF feiert fünfzigjähriges Bestehen. Dabei ist der Sender nicht das „Zweite“: Die abenteuerliche Geschichte von Adenauers Fernsehen in „Tele-Sibirsk“.

NachDenkSeiten: „Die Vorherrschaft der katholischen Kirche in unseren Medien ist unerträglich“

FAZ: „Clown-Schmähung: ‚Steinbrück mutiert zum Peerlusconi‘“

Clown-Schmähung: „Steinbrück mutiert zum Peerlusconi“ – Inland – FAZ

Zuspruch gab es für Steinbrück vom stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzende Axel Schäfer: „Das, was Berlusconi über Jahre betrieben hat, steht für die Zerstörung jeglicher politischen Kultur. Mit dem Wort Clown ist er damit meines Erachtens noch gut bedient.“ Auch die SPD-Linke stärkte Steinbrück den Rücken. Die Clown-Bezeichnung sei „mit Blick auf Herrn Berlusconi eher noch freundlich ausgefallen“, sagte der Koordinator der Linken im SPD-Bundesvorstand, Ralf Stegner. „Insofern finde ich daran nichts kritikwürdig.“

Ich wäre geneigt, es ähnlich zu sehen. Die Medien-Bagage lauert seit Wochen auf das nächste „Fettnäpfchen“, in das Steinbrück getreten sein soll, und meint dankbar, es hier gefunden zu haben. Es war aber meines Erachtens keines, jedenfalls nicht für einen Kanzlerkandidaten.

Was provinzielle Merkel-Speichellecker (aka CDU-Bundestagsabgeordnete), die Super-Diplomaten spielen, beizusteuern wissen, braucht weniger zu interessieren, würde ich sagen.

Berlusconi-Italien wäre niemals in die EU hineingekommen (daß die EU umgekehrt keine Sanktionsmöglichkeiten gegen Staaten wie Italien oder Ungarn hat, ist eine andere Frage) – und da ist die Titulierung als „Clown“ wirklich eher noch schmeichelhaft.

Das politische Italien hat ein Problem mit sich selbst, und da muß nicht immer nur „respektvoll“ geredet werden, auch von Deutschen nicht, die zugegebenermaßen vorsichtiger als andere sein sollten. Wer sich selbst zum Buffo macht, ist eben einer.

Edit: Und Majid Sattar notiert, daß die Reaktionen auf Steinbrücks Äußerungen diesmal (erfreulicherweise) viel weniger negativ ausfallen als bei seiner vorherigen „Fettnäpfchen-Tritten“.

SZ: „Forderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – Mutiger, schärfer, radikaler!“

Forderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – Mutiger, schärfer, radikaler! – Medien – Süddeutsche.de

Seit Anfang des Jahres gibt es den neuen Rundfunkbeitrag für alle – und die öffentlich-rechtlichen Sender sind in der Defensive. So heftig war die Empörung über das System und das Programm noch nie. Und jetzt? 14 Thesen für eine dringend notwendige Erneuerung.

Klingt lesenswert, ist aber als kaum vorstellbar dreiste Klickfalle formatiert. 14 Thesen als 14 Einzelseiten, man faßt es kaum! Derlei verdient selbstverständlich nichts anderes als einen Leseboykott.

Ganze generell meide ich den Online-Auftritt der SZ, weil man dort permanent mit Schweinchen-Schlau-Paginierungen behelligt wird, die man – anderes als bei der Online-Zeit – auch nicht durch einen Link („auf einer Seite lesen“) aufheben kann. Schauderhaft, es gibt keine nennenswerte deutsche Zeitung, die so penetrant paginiert wie ausgerechnet die SZ. Und das ist Leserverarschung, man fühlt sich wie der geistig minderbemittelte Fanclub irgendeines faschistischen Heulsusen-Blogs behandelt.

Nochmals: Es gibt keinen, aber auch gar keinen technischen oder ästhetischen Grund, einen Online-Text, der kürzer ist als vielleicht 50 Druckseiten, zu paginieren – die Paginierung dient einzig und allein der Generierung von Klicks, also dem Geldbeutel oder dem Ego der Seitenbetreiber.

tagesschau.de: „Bilder des World Press Photo Contest 2013″

Bilder des World Press Photo Contest 2013 | tagesschau.de

Widerlich. Ich halte diese Araber-Masche, tote Kinder in die Kameras zu halten, weiterhin für widerlich.

Aber es findet sich schon ein Skandinavier, der’s knipst, und ein schwedisches Photoshop-Blondie, das für die melodramatisch-halbschwarzweiße Farbgebung sorgt, für die’s beim Knipser nicht gereicht hat. Und dann noch eine Holländer-Jury, die das für ergreifend hält.

FAZ: „Debatte über 30-Stunden-Woche: Würden Sie weniger arbeiten?“

Debatte über 30-Stunden-Woche: Würden Sie weniger arbeiten? – Wirtschaft – FAZ

Wir kennen die Debatte noch aus den Achtzigerjahren, jetzt lebt sie wieder auf: Kann eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden je Woche die Probleme am Arbeitsmarkt lösen? Diskutieren Sie mit!

:übel:

Bei aller alten Anhänglichkeit: Faz.net überzeugt mich immer wieder, daß meine Entscheidung im Jahre 2008, nach zwei Jahrzehnten mein Abonnement jener Zeitung zu kündigen, eine Goldrichtige war.

FAZ: „Fraktur: Der Rhythmus, bei dem der Deutsche einfach mitmuss“

Fraktur: Der Rhythmus, bei dem der Deutsche einfach mitmuss – Fraktur – FAZ

Genug von Rassismus, Sexismus, Journalismus? Das verstehen wir, warnen aber davor, jeden Ismus zu verteufeln.

[...]

Doch soll hier auf gar keinen Fall der Eindruck entstehen, man wolle den Feminismus mit irgendeinem der vorgenannten Ismen auch nur im Entferntesten vergleichen (und damit irgendetwas relativieren!), weswegen der Feminismus hier auch einen eigenen Satz bekommen hat.

[...]

War es vor ein paar Tagen noch der alltägliche Sexismus, der die Republik in ihren Grundfesten erschütterte, ist es jetzt schon wieder der Rassismus, der sein grässliches Haupt erhebt, obwohl doch gerade erst die Kinderbücher von ihm gesäubert wurden.

Und immer steckt hinter dem letzten Ismus-Schrei irgendwie die FDP.

:-D

NachDenkSeiten: „Eine Replik auf Leserbriefe zur ‚Zwangsgebühren‘“

Eine Replik auf Leserbriefe zur „Zwangsgebühren“- Kampagne der Verleger Rundfunk. | NachDenkSeiten – Die kritische Website

ardWas jedenfalls nicht mehr sein darf – siehe bitte den Screenshot.

Deutschland braucht einen soliden Staats-Rundfunk und ein Verbot von Privatsendern.