FR: „Kolumne: Normaler Kollateralschaden“
Kolumne: Normaler Kollateralschaden | Meinung - Frankfurter Rundschau
Letzte Woche erschoss in Kentucky ein Fünfjähriger eine Zweijährige. Warum nur, war die Kleine nicht bewaffnet?
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Wenn man viel erlebt hat, wird man geschmäcklerisch. Ich möchte zum Beispiel nicht mehr die winterweißen Füße von Männern in Flip-Flops sehen. Vorgestern pellten sie wieder ihre Mauken aus. Wie albinotische Lemminge watschelten sie zu Tausenden durch die Stadt. Widerlich! Ich will das nicht sehen! Das ist mir zu privat! Dennoch werde ich immer wieder gezwungen, mir auszumalen, wie es bei anderen Leuten so zugeht. Letzte Woche zum Beispiel musste ich mir unweigerlich einen Kindergeburtstag vorstellen. Es wurde im November vergangenen Jahres im Örtchen Cumberland in Kentucky gefeiert. Der kleine Jacob – nennen wir ihn mal so – wurde fünf, und seine Eltern schenkten ihm, was er sich gewünscht hatte: ein echtes Gewehr der Marke „My First Rifle“. Kaliber 22 mit 5,6 Millimetern. Ich stelle mir vor, wie sich der kleine Jacob gefreut hat. Die ganze Familie hatte strahlende Augen, auch – nennen wir sie – Sophia, seine damals einjährige Schwester.
Nebenbei… Ja, bei aller Einsicht in die Tatsache, daß Toleranz und Langmut das Allerbeste überhaupt sind: ein Besuch in der von vielen Studenten optisch mitgeprägten Nordstadt ist zur Zeit mit schauderhaften Anblicken verbunden. Bermudashorts über weißen Unterschenkeln, dazu Flip-Flops. Und zu welch einem majestätisch-anmutigen Gang Flip-Flops ihren Trägern doch verhelfen…
Und, je nun, Amerikaner sind halt Optimisten, wir wissen es und finden es hier bestätigt, wenn die „First Rifle“ immerhin vom Kaliber 5,6 mm ist.
Ich bliebe aber dabei, daß es auch ganz vernünftige Waffen-Liebhaber gibt – auch in den USA. Aber so geht es eben nicht.



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