Archiv der Kategorie

Savoir vivre

Stil, Lebensart. Schönheit und Schöner Schein. Kulinarisches, Klamotten, Design. Bräuche und Sitten.

Die wahre Familie

semja

„Nastojaschtschaja Semja“ – „die echte, die wahre Familie“. So lautet seit einigen Tagen das Motto einer Kampagne der russischen De-facto Staatspartei „Einiges Rußland“, mit der man die „traditionellen Familienwerte“ gegen teuflische Einflüsterungen aus dem Westen stärken und verteidigen möchte. Selbstverständlich ist die Aktion auch und vor allem als Gegenbewegung gegen die Bestrebungen zur Gleichstellung der Homoehe in den meisten westlichen Ländern zu verstehen.

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Licht aus

mond

Also gut, wenn es denn den sächselnden Protofaschisten gelungen ist, einen kleinen Sieg, einen allerersten Anfangserfolg gegen die übermächtige und allgegenwärtige Dauer-Anstrahlerei jedes auch nur halbwegs sehenswerten Gebäudes in wirklich jeder langweiligen Mittelstadt zu erringen, so sei ihnen von Herzen gedankt.

Lutz, bitte noch ’ne Bratwurscht! Und meine Mendy, Jahrgang ’75: Ich liebe Dich! :love:

Seit fünfzehn Jahren bin ich auf dem Weg nach links. Hier, wo ich jetzt stehe, werde ich wohl eine Weile bleiben. Ich hoffe mithin, gegen den Vorwurf, „Kulturkritik“ zu betreiben, halbwegs gewappnet zu sein.

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Bürgerliche Tapferkeitsmedaille – ein Vorschlag

Sonnenblume_Schwarz-Rot-Gold

Die tapfere deutschtürkische Studentin, die in Offenbach totgeschlagen worden ist, hätte eine respektablere Auszeichnung verdient als das elende Bundesverdienstkreuz. Daß ich den Fall Tugce A. nur anhand dessen zu beurteilen vermag, was in den Medien zu lesen ist, brauche ich kaum zu betonen – wir alle müssen aber zumindest bis auf weiteres davon ausgehen, daß sie eine junge Frau war, die ihren uneigennützigen Mut mit dem Leben bezahlt hat. Jeder mag sich fragen, ob er selbst diesen Mut gehabt hätte.

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taz: „Die Helmpflicht führt zu mehr Unfällen: Gefährlicher Kopfschutz“

kopfschutzDie Helmpflicht führt zu mehr Unfällen: Gefährlicher Kopfschutz – taz.de

Die Helmpflicht macht das Fahrradfahren nicht sicherer, sondern gefährlicher. Das mag überraschen – ist aber nachgewiesen und Konsens in der Unfallforschung.

Ausgesprochen interessanter, sachkundiger Artikel, dessen Grundpositionen ich mich im wesentlichen anschließen würde.

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FAZ: „In eigener Sache: Neues Ressort ‚Lebensstil‘ bei FAZ.NET“

lifischtylieIn eigener Sache: Neues Ressort „Lebensstil“ bei FAZ.NET – Lebensstil – FAZ

Die schönen Seiten des Lebens – darum dreht sich alles im neuen Ressort „Lebensstil“, mit dem FAZ.NET an diesem Montag online geht. Lifestyle und Luxus, Wellness und Gesundheit, Mode und Design, Essen und Trinken, Wohnen und Technik sind die Themen, die die User im neuen Ressort erwarten. Mit „Lebensstil“ erweitern wir unser Themenspektrum, das die Leser bereits aus den Printprodukten wie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung oder dem Frankfurter Allgemeine Magazin kennen und dort immer mehr nachfragen.

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„Türsteher brauchen wir hier nicht!“

Vorhin in der Üstra (also dem Hannoveraner ÖPNV): Die Straßenbahn steht an die Haltestelle Herrenhäuser Gärten. Die Türen schließen sich nicht, allerdings noch nicht für den Fahrgast auffällig lange. Auf einmal blafft der Fahrer unvermittelt, ziemlich laut und ziemlich rauh ins Mikrofon:

Türsteher brauchen wa hier nicht!! Wenn Se Türsteher werden wollen, müssen Se zum Steintor gehen, da werden immer welche gesucht!!

Leider, leider, der Missetäter, der da durch dämliches Rumstehen auf den Trittstufen das Schließen der Türen blockiert hat, er war im anderen Wagen.

Mir hat die Reaktion des Fahrers ausgezeichnet gefallen – fast eine Wohltat angesichts der üblichen neudeutschen Freundlichkeitsüberschwemmung in Bussen und Bahnen. Ich habe ihn mir beim Aussteigen angeguckt: ein würdiger, brummiger Mann um die sechzig mit schlohweißen, dichten Haaren und Metallbrille.

Fundstück: Beilage aus einer Kyriazi-Zigarettenpackung von 1933 – Deutsche Helden statt Treuepunkte

kyriazi2Aus einem vor vielen (fünfzehn?) Jahren antiquarisch gekauften Buch (es handelt sich um eine Buchklub-Ausgabe von Werner Bergengruens „Das große Alkahest“ aus dem Jahre 1926) ist mir vorhin ein kleiner bedruckter Zettel entgegengeflattert. Ich habe Vorder- und Rückseite gescannt, hier sind sie, das Original ist 5,5 x 7,5 cm groß:

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Schief aufgesetzte Mützen

woodyNatürlich kann man Tellermützen oder die französischen Képis nicht schief aufsetzen (jedenfalls nicht zur Seite, sondern nur mehr martialisch tief in die Stirn gezogen, was vielleicht auch eine Form von Schiefheit ist…). Aber es hat ja schon seinen Grund, daß auch das liebe Militär immer wieder nach schief aufzusetzenden Kopfbedeckungen strebt:

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NDR (Zwischen Hamburg und Haiti): „Assam – Ein Land voller Tee“

Assam – Ein Land voller Tee

Sehr liebenswerte, interessante Sendung. :-) 30 Minuten, wie üblich bei dieser von mir seit frühen Jugendtagen geschätzten NDR-Reihe.

Es geht vor allem um das Alltagsleben der Teepflückerinnen, dh. um eine derselben. Weniger um Kulinarisches zum Thema „Tee“ oder gar um historische Zusammenhänge. (Also z.B. nicht um die Tatsache, daß die Engländer anfang des 19. Jahrhunderts mit ihren Teeplantagen in Assam, Darjeeling und auf Ceylon ein altes Monopol Chinas knacken und damit zum Niedergang Chinas in dieser Periode beitragen.)

FAS: „Gender-Design: ‚Ich glaube nicht, dass Mädchen ein pinkes Gen haben‘“

Gender-Design: „Ich glaube nicht, dass Mädchen ein pinkes Gen haben“ – Menschen – FAZ

Ganz interessantes Interview…

Und mein Gefühl dabei ist oft, provokativ gesagt, eigentlich hätte sich der Designer lieber an einem Porsche und nicht an einer Saftpresse versucht. Darum versieht er eben die Saftpresse mit einem Turbo, der aus 17 Teilen besteht, die man nur schlecht wieder zusammensetzen kann. Ich habe so eine Saftpresse, die in der Ecke verstaubt, weil ich die vielen Teile nicht immer säubern will. Für mich ein typischer Fall, dem Mann fehlt die entsprechende Erfahrung.

Ich denke hier sofort an die neue Küche meiner Mutter. Sehr solide Arbeit – aber zwei Details: Erstens ist der Abfluß der Spüle genau in deren Mitte, sodaß man den Gummi-Pröppel kaum reinstöpseln kann, wenn sie voll mit Geschirr ist. Und wenn er nicht drin ist, blockiert in der Spüle liegendes Geschirr oft den Abfluß. Zweitens die kaum sichbaren Markierungen den Drehschaltern der hochmodernen Umfluft-Gas-Elektro-Herdes. Sofort ist das Urteil zur Hand: „Das kann sich nur ein Mann ausgedacht haben, der selbst nie in der Küche steht!“ (Vermutlich trifft es.)

Ferner geht es auch um die schon hier erwähnte Pinkifizierung kindlicher Lebenswelten.

Jungle World: „Coaching statt Peitsche“

jungle-world.com – Archiv – 01/2013 – Thema – Statt protestiert wird gecoacht

Das Wort Coaching stammt von Coach (Kutsche) und bedeutete ursprünglich, dass der Kutscher mit der Peitsche in der Hand Pferde auf Trab bringt und lenkt. Heute versteht man darunter den gesamten Trainings- und Beratungsmarkt, in dem die Peitsche durch Motivation ersetzt wird. Der Markt boomt wie kein anderer, weil die gesellschaftliche Resignation so weit fortgeschritten ist, dass Menschen glauben, ohne Hilfe von Experten nicht mehr essen, laufen, springen, denken, lachen, arbeiten und einkaufen zu können und keine Lebenspartner zu finden. Weitere Antriebe sind die Angst, von der Norm abzuweichen und die Sozialkassen zu belasten, und die Entfremdung von der Natur. Viele Menschen können sich der Natur nur noch auf Trimmpfaden nähern. Sie genießen sie nicht, sie bewältigen sie. Wie der Marathonläufer, der sich 30 Kilometer lang die Galle aus dem Leib kotzt, dann aufs Pflaster stürzt und den Pflegern vom Roten Kreuz mitteilt, er hätte für die Ausschüttung des Glückshormons nur noch zwei Kilometer länger durchhalten müssen. – Nein, Drogen lehne er ab.

Die Baskenmütze

Es ist die Baskenmütze eine Kopfbedeckung mit einer merkwürdigen Karriere. Über die Grundgegebenheiten informiert Sie Wikipedia – Sie werden sich vermutlich wie ich darüber wundern, daß Baskenmützen ursprünglich nicht aus Filz waren, sondern gestrickt wurden. Uns aber interessiert hier vor allem die bemerkenswerte Fragmentiertheit der Baskenmützenträger:
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