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Stellungnahmen zu einem einzelnen anderswo im Web erschienenen Artikel.

Buruma über Gaddafis Ermordung

Wie eigentlich immer außerordentlich lesenswert: Ian Buruma auf Project Syndicate. „The Lynching of Libya“. Er spricht sich mit dem doch eigentlich recht naheliegenden Argument, daß Blutrache nicht die Grundlage von Rechtsstaatlichkeit sein kann, schärfstens gegen die Ermordung Gaddafis aus. Ja, man denke: es besteht durchaus auch die Option, einen Mord per se zu verurteilen, und nicht nur die, ihn mit „We came, we saw, he died.“ zu kommentieren.

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Wem Lorenz Jäger Adieu gesagt hat

Den Rechten, die man gerade noch sieht. Gerade noch der Jungen Freiheit, der aber auch eher hinsichtlich ihrer Rolle als notorische Trittbrettfahrerin von allem möglichem.

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Improvisation – wetten, daß es nicht klappt?

Ob der Piratenpartei in Berlin das Improvisieren gelingen wird, wie es die taz in einem Kommentar anmahnt: „Die Kunst der Improvisation“? Ich bezweifle das weiterhin. Sicher, die anderen Partei haben in der Finanzkrise auch nicht gewußt, was sie tun sollen, und wissen nun nicht, wie der Euro zu retten sei.

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„Déjà vu, déjà entendu!“

Der Historiker Peter Jahn bringt in einem sehr lesenswerten (in der Online-Ausgabe aber leider durch Paginierung entstellten) Artikel Günter Grass‘ Entgleisung im Gespräch mit Tom Segev auf den Punkt:

Déjà vu, déjà entendu! Es ist, als lauschten wir Heranwachsenden der fünfziger Jahre wieder am Kaffeetisch den Erwachsenen, noch gefangen in Respekt und Schuldgefühlen vor deren Leiden und Leistungen und schon empört über den Einheitstopf, in dem alle Leidensgeschichten zu einer großen Tragik verrührt wurden.

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Erwartungsgemäß und zu Recht (ergänzt)

Erwartungsgemäß ergreift Timothy Garton Ash im Guardian das Wort zu den Ereignissen in Norwegen, und erwartungsgemäß spricht er sich gegen eine gesetzliche Reglementierung des Netzes aus: „The internet nourished Norway’s killer, but censorship would be folly“. Erwartungsgemäß hat er einen klugen Artikel verfaßt.

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HAW zum Historikerstreit und zu Zeitreisen made in Mecklenburg

Am Nachmittag dieses kühlen und stürmischen Hochsommertages ist ein lesenswerter Zeitungsartikel ins Netz gestellt worden. Vor etwa zwei Wochen hatte ein Rostocker Althistoriker (der übrigens schon zuvor durch krude Thesen zum Thema „Islam“ aufzufallen versucht hatte) im Feuilleton der FAZ einen rüpelhaften Angriff auf die Ergebnisse des Historikerstreits vor 25 Jahren – und damit auf den heutigen wissenschaftlichen Konsens – veröffentlichen dürfen.

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Gut ausgebildet

Man mag das Wort nicht mehr hören und das dann unvermeidlich folgende „hochqualifiziert“ auch nicht. Sooo viele „Gutausgebildete“, denen irgendwo auf der Welt unrecht getan wird. Und wenn man hinschaut, sind es verkrachte Low-interest-Akademiker („stellv. Leiterin des Zentrums für X-Studien“), Pommes-Buden-Manager, Fremdsprachenkorrespondentinnen – und natürlich Journalisten. Und, liebe Deutschtürkinnen:

Das ständige Gefühl, doch nicht dazuzugehören, obwohl man „deutscher“ nicht sein kann

Ja, so fühle ich mich hier auch ständig. ;-) Also: Ein durchaus interessantes Thema, aber ein weinerlicher Schülerzeitungsartikel.

Auswandern aus Rußland

In einem sehr lesenswerten, dichten Artikel zeichnet Kerstin Holm (Moskau) ein realistisches – also ein finsteres – Bild von der Lage im Lande des „Quadriga-Preis“-Trägers. Die gutausgebildete Elite sitzt offenbar zu einem guten Teil auf gepackten Koffern – einige müssen allerdings noch warten, bis sie wieder aus dem Gefängnis heraus sind, in das sie durch fingierte Prozesse gewandert sind, weil der Staat an ihr Geld wollte. Die Apparatschiks des Rentenkapitalismus brauchen keinen Mittelstand, weil sie Rohstoffe haben. Man fürchtet allerwegen, daß Putin wieder Präsident wird. Gegen Endes des Artikels ein bißchen Hoffnung. Und ja, so ist es seit den Tagen Peters des Großen: Rußland liebt Europa und wird nicht zurückgeliebt. Guter Artikel.

Libyen, Westbindung, Euro(pa) – und die Parlamentsarmee

Heinrich August Winkler hat der Welt ein langes Interview gegeben: „Gehören wir noch zum Westen?“ Es sei gleich lobend erwähnt, daß die beiden Journalisten während des Gesprächs kluge und angemessene Fragen gestellt und das Interview hernach auf erträgliche Länge zusammenredigiert haben.

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Zum Kirchentag

In der FAZ hat es einen Kommentar von Reinhard Bingener, der sich bei aller Kritik wohltuend von den so absehbaren wie jämmerlichen Hohnkaskaden des Antiboulevards (Matufleischhauerei, Achgut etc.) abhebt: „Trägerschicht der Trivialmoral“.

 

Durchaus genozidal – oder doch nicht?

Ian Buruma warnt auf Project Syndicate angesichts der Verhaftung Ratko Mladics und des bevorstehenden Prozesse gegen ihn vor einer zu lässigen oder gar inflationären Verwendung des Begriffs „Genozid“: „The Crimes of Ratko Mladić“. Er bestreitet gar nicht explizit, daß das, was den Bosniaken Mitte der 90er Jahre angetan wurde, ein „Genozid“ war, legt aber zumindest Wert auf die Feststellung, daß in Bürgerkriegen auch Menschen sterben, ohne daß dieser Begriff angemessen sei. Er mahnt zur Vorsicht. Zu Recht.

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Nicht ausgeschlossen (ergänzt)

In der FAZ ein Artikel von der gewöhnlich sachkundigen Michaela Wiegel und von Christian Schubert zur Causa Strauss-Kahn: „Alte Vorwürf, neue Verschwörungstheorien“. Ein Komplott gegen DSK wird von den Autoren zumindest und trotz dem Titel nicht für ausgeschlossen gehalten.
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Die Burka der Anderen

Timothy Garton Ash, „der Historiker unserer Tage“ und ein Bannerträger der Freiheit ;-) , spricht sich im Guardian – nicht überraschend – dagegen aus, Geert Wilders in den Niederlanden und andere Rechtspopulisten anderswo wegen ihrer xenophoben Äußerungen rechtlich zu belangen. Er fordert hingegen mehr Mut zur politischen Bekämpfung von Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit.

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Das Ding der Engländer (ergänzt!)

Garton Ash spricht sich in seiner Kolumne im gar nicht monarchistischen Guardian für die Erhaltung der britischen Monarchie aus. Dankenswerterweise geht er auf das läppischste Argument gegen die Monarchie – das ihrer finanziellen Kosten – gar nicht ein.

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Liberté, liberté chérie – in der Burqa

Timothy Garton Ash ist also gegen das Montag in Kraft tretende Burka-Verbot auf Frankreichs Straßen: „Believe in liberty, equality, fraternity? This time, don’t follow the French“. Ich halte seine kernliberale Argumentation für ausgesprochen ehrenwert: Was anderen nicht schadet, muß erlaubt sein. Burkaträgerinnen müssen mit Mohammedkarikaturen leben, Mohammedkarikaturen-Liebhaber mit Burkaträgerinnen (wenn auch nicht mit diesen zusammen).

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