In Europa
Zunächst der rhetorische Amoklauf Kauders: „Nun wird in Europa Deutsch gesprochen“ – das ist bis heute ungeahndet. Jetzt der Irrsinnsvorschlag eines „Spar-Kommissars“ in Athen. („Gauleiter“ macht die Presse daraus – „Generalgouverneur“ wäre wohl treffender.) Was die Regierung Murkel da in Liebedienerei vor der Springer-Hetzpresse veranstaltet, ist vielleicht nicht direkt lebensgefährlich für Deutschland, aber lebensgefährlich für Deutschlands Ruf in Europa – und damit für das europäische Projekt als Ganzes und damit auch durchaus wiederum für Deutschland.


Eine saugeile Passage aus Garton Ashs „Jahrhundertwende“. Es geht um die serbische Revolution vom Oktober 2000, also um den halbfriedlichen Machtwechsel von Slobodan Milosevic zu Vojislav Kostunica:

Ich habe im Moment große Schwierigkeiten einzuschätzen, was wie wichtig ist. Was reicht wie weit über den Horizont, welchen „Scope“ hat dieses oder jenes? Was ist wirkliche Aufregung, was ist Selbstrefenzialität, was ist – meinetwegen denn – auch „Sommerloch“? Echt, das bereitet mir heuer mehr Probleme denn je.