taz: „Kommentar Reaktionen Hoeneß: Denkmäler für Hoeneß“

Kommentar Reaktionen Hoeneß: Denkmäler für Hoeneß – taz.de

Hoeneß verzichtet auf eine Revision und das Amt beim FC Bayern. Was bleibt? Er hat die Umverteilung von unten nach oben populär gemacht.

Erstklassiger, instruktiver und temperamentvoller Artikel.

WDR (ZeitZeichen): „22. Februar 1879 [135]: Woolworth eröffnet in USA den ersten Five-Cent-Store“

WDR 3/WDR 5 ZeitZeichen: 22. Februar 1879: Woolworth eröffnet in USA den ersten Five-Cent-Store

„Dies ist everybodys store, hier bist du zu Hause, hier bekommst du alles unter einem Dach.“ Mit diesem Versprechen lockt der Kaufmann Frank Winfield Woolworth am 22. Februar 1879 in seinen ersten Laden in Utica, New York. Eine Sensation sind die Preise: ob Blechdose oder Nähgarn, Trillerpfeife oder Kerze: jedes Teil des Sortiments gibt es zum Einheitspreis von 5 Cent. Ein Konzept, das aufgeht. Autorin: Ariane Hoffmann © WDR 2014

Einerseits halbwegs anhörbar, andererseits aber doch der naiv-rührselige Kapitalismus-Kitsch, den der Vorname der Autorin erwarten läßt. Zweifelhafter Experte mit westfälischem Akzent aus dem Unternehmen. (War mir neu, daß es die in Amerika gar nicht mehr gibt…)

FAZ (Wirtschaft): „Kommentar: Pflichtfach Wirtschaft“

Kommentar: Pflichtfach Wirtschaft – Wirtschaft – FAZ

Wirtschaft in der Schule? Die meisten Schüler sind dafür. Aber sie haben schlechte Chancen. Denn um das Schulfach Wirtschaft tobt ein Kampf, in dem es nicht um die Sache geht. Sondern um Weltanschauung.

Bundespräsident Joachim Gauck hat kürzlich – wieder einmal – seine gute wirtschaftliche Bildung offenbart. Er sprach auf einer Veranstaltung des Walter-Eucken-Instituts in Freiburg und setzte sich für Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft ein: für Markt und Wettbewerb und gegen zu viel Macht in den Händen weniger.

Hähä, die FAZ-Tante faselt in jedem Absatz von „wirtschaftlich Gebildeten“ mit „hinreichendem Grundwissen“ und zählt nicht nur den Bundespfaffen, sondern erkennbar auch sich selbst dazu. :-D Schon der Stil („kürzlich – wieder einmal – seine gute wirtschaftliche Bildung offenbart“) ist so etwas von lächerlich, jedes Wort ist ein Biß auf den hohlen Zahn; es tut weh, so etwas zu lesen. Und natürlich nicht „Schulfach Wirtschaft“ – nein: „Pflichtfach“, das muß es schon sein, wenn schon, denn schon. Die FAZ ist, zumindest in ihrem Wirtschaftsteil, kaum noch von Springer-Arschwisch-Papier zu unterscheiden.

Und echt: Gauck muß weg! Und fertig.

Deutschlandfunk (Presseschau) – [… aus Frankreich …]

Deutschlandfunk – Zuletzt gesendet

Gerade die Presseschau gehört. Die Nachrichten von Hollande machen mich schaudern – und erwartungsgemäß das Springer-Geschmeiß und den Rest der MSM jubilieren. Hoffen wir, daß uns der altbewährte Rebellengeist des französischen Volkes auch diesmal nicht im Stich läßt – wird höchste Zeit, daß es westlich des Rheins mal wieder so richtig kracht.

Nachtrag 17.1., 4:49:

Hollandes “Pakt der Verantwortung” – Eine neue Runde des „Rattenrennens“ wird eröffnet | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Man kann eigentlich nur darauf hoffen, dass die revolutionserfahrenen Franzosen erkennen, welcher wirtschaftspolitische Neofeudalismus nach Europa zurückgekehrt ist. Da die Franzosen eigentlich einen „Sozialisten“ gewählt haben und Hollande nun politisch das tut, was sich sein konservativer Vorgänger wohl nie getraut hätte, besteht allerdings die reale Gefahr, dass viele Franzosen nur noch den rechtsextreme Front National um Marine Le Pen als Ausweg wählen.

Um die Europawahl im Mai muss man sich wirklich Sorgen machen.

Gegenblende: „Warum der neoliberal radikalisierte Kapitalismus nun auch die Qualität der Technik zu ruinieren beginnt“

Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 25: Januar/Februar 2014 | Warum der neoliberal radikalisierte Kapitalismus nun auch die Qualität der Technik zu ruinieren beginnt

Der Kapitalismus – und gerade die neoliberal radikalisierte Variante, die wir seit dem Untergang des »Realen Sozialismus« erleben – hat auch bei seinen Kritikern den Ruf, ein außerordentlich effektives System zu sein, insbesondere was die Entwicklung technischer Artefakte betrifft. Er hat, insbesondere seit Beginn des 20. Jahrhunderts, in der Tat eine Vielzahl von Technologien hervorgebracht, die in den Industriegesellschaften einen fast schon religiös anmutenden Glauben an die technische Machbarkeit fast aller Zielsetzungen der »Moderne« verankert haben.

Der Titel klingt vielleicht ein bißchen beflissen, der Inhalt ist aber brennend interessant – ich empfehle die Lektüre mit Nachdruck. (Der letzte Absatz vorm Fazit, der über Kriminalität, mag überzogen sein – das entzieht sich aber meiner kompetenten Beurteilung.)

Es ist immer sehr gut, wenn linke Kapitalismuskritik nicht mit grundsätzlicher Technikskepsis und grün-brauner Romantik, sondern mit grundsätzlicher Technikbegeisterung einhergeht. Hammer und Zirkel.

Und ein sehr schöner, idealistischer letzter Absatz:

Wir brauchen also eine Technik, die nicht der Vermehrung von Geld und einem verrückten Wachstumswahn dient, sondern sozialen und ökologischen Zielen. Eine Technik, die wieder dem altmodischen, ehrlichen Kaufmannsdenken statt wirtschaftskriminellen Bestrebungen verpflichtet ist. Eine Technik, die Computer als Hilfe und nicht als Herrschaftsinstrument entwickelt und einsetzt. Eine Technik, die die Arbeit statt in undurchschaubar verflochtenen, riesigen Rendite-Maschinen demokratisch und in überschaubaren Strukturen organisieren hilft. Eine Technik, die wieder Ruhe und Gelassenheit statt Rattenrennen im Hamsterrad ermöglicht. Eine Technik, die mit Begeisterung für den Menschen und unsere natürliche Mitwelt arbeitet und das solidarisch, in Kooperation statt Konkurrenz. Also so ziemlich das Gegenteil von dem, was die herrschende Ökonomie immer noch lehrt.

WDR (ZeitZeichen): 10. Januar 1839 [175]: Tee aus Indien kommt erstmals in London in den Handel

WDR 3/WDR 5 ZeitZeichen: 10. Januar 1839: Tee aus Indien kommt erstmals in London in den Handel

Aparte, sehr anhörbare Sendung.

Ein Detail fehlt vielleicht: Nämlich die Tatsache, daß das chinesische De-facto-Monopol für Tee (und für Seide und lange Zeit auch für Porzellan) im ganzen 18. Jahrhundert zu einem ganz massiven Silberabfluß aus dem Westen nach China führt. Daß man sich daher im Westen und gerade in England systematisch Gedanken macht, ob sich nicht doch etwas finden ließe, was man den Chinesen im Gegenzug verkaufen könne? Das fällt zunächst schwer – die Chinesen können einfach nichts aus dem Westen gebrauchen. (Man probiert es unter anderem mit Sandelholz, aber das ist auch nicht sooo die große Nummer.) Schließlich aber finden die Engländer doch noch etwas, was die Chinesen sehr gerne mögen und was sie aus Britisch-Indien einführen müssen: nämlich Opium.

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FAZ (Wirtschaft): „‚Landgrabbing‘ in Deutschland: Der Wettlauf ums Land“

„Landgrabbing“ in Deutschland: Der Wettlauf ums Land – Unternehmen – FAZ

In Ostdeutschland fürchten die Bauern um ihr Land. Die Preise steigen, vielerorts können Landwirte nicht mehr mit den Geboten von Kapitalgesellschaften mithalten. Für Kritiker ist das ein Warnsignal.

[...]

Die Gründe? Zum Beispiel die strengeren Umweltauflagen und der Siegeszug der Biogasanlagen, sagt Wendorff. Wer Vieh hält, brauche immer mehr Fläche, um die Gülle unterzukriegen, und die Biogasanlagen müssten gefüttert werden – zum Beispiel mit Mais. Hinzu kämen Landwirte aus dem Ausland, etwa aus Holland, die dort nicht expandieren könnten und das dann eben in den Weiten Ostdeutschlands versuchten. Vor allem aber kaufen Investoren und Kapitalgesellschaften Land.

junge Welt: „Moskaus Dilemma“

27.12.2013: Moskaus Dilemma (Tageszeitung junge Welt)

Oligarchenmacht plus sowjetische Relikte – warum Rußlands Wirtschaft nicht aus der Krise kommt

dilemmaEine meines unmaßgeblichen Erachtens schlüssige, von Marx (und implizit von Weber) ausgehende Kurzanalyse der notorischen russischen Misere.

Daraus:

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FAS: „Plädoyer für den Versandhändler: Amazon ist immer für mich da“

Plädoyer für den Versandhändler: Amazon ist immer für mich da – Finanzen – FAZ

Der über die Feiertage vollends unvermeidliche neoliberale Pro-Amazon-Troll der FAS – inklusive des naseweis-personalisierenden, gequält-ironischen Kaffeetanten-Tonfalls („ich mache mir wirklich Sorgen“) und der ermüdenden Länge so absehbar wie das Amen in der Kirche.

:gähn:

Michail Borissowitsch, willkommen in der BRD und in der Schweiz! Endlich sind Sie wieder bei den Ihren!

wbchJa, es nervt in der Tat ganz erheblich, mit welcher Hartnäckigkeit Michail Chodorkowski dieser Tage in den Mainstream-Medien als „Regierungkritiker“, zumindest als „putinkritischer Ex-Magnat“ oder ähnliches bezeichnet wird.

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junge Welt: „Unters Minimum gepreßt“

19.12.2013: Unters Minimum gepreßt (Tageszeitung junge Welt)

Über 83000 Menschen protestieren gegen Hartz-IV-Schikanen: Petition gegen Sanktionen geht in Bundesausschuß

FAS (Wirtschaft): „Im Gespräch: Carsten Maschmeyer: Der Milliardär, der sich traut“

Im Gespräch: Carsten Maschmeyer: Der Milliardär, der sich traut – Menschen & Wirtschaft – FAZ

Unternehmer Carsten Maschmeyer gehört zu den reichsten Deutschen: Er hält Anteile an über fünfzig Firmen. Im F.A.S.-Interview verrät er seine aktuelle Glücksformel: Raus aus Aktien, rein in die Ehe!

:übel:

junge Welt: „Schikanen beenden“

06.12.2013: Schikanen beenden (Tageszeitung junge Welt)

Aktionen vor Jobcentern: Unterstützer der Petition von Inge Hannemann sammeln bundesweit Unterschriften gegen Hartz-IV-Sanktionen

Etliche Unterschriftensammler beklagten auf Facebook eine »massive Spaltung«. Häufig hätten Erwerbslose auf »Ausländer« geschimpft oder Bezieher von Arbeitslosengeld I auf Hartz-IV-Berechtigte.

Ja, es ist furchtbar. Im Bildzeitungs-Deutschland wird die uralte Strategie der herrschenden Klassen – Spaltung und Entsolidarisierung der Ausgebeuteten – zu höchster Perfektion gesteigert. Der Neoliberalismus hat ein „System der Angst“ etabliert, das sich wie ein Eishauch über unser Land und über Europa gelegt hat.

Ich habe diese Petition selbstverständlich auch unterschrieben. Und ich bitte jeden, der das hier liest und noch nicht unterschrieben hat, das ebenfalls zu tun.

Und diese Leute, die da vor den Jobcentern Unterschriften sammeln, sind für mich Helden des Alltags.

WDR (ZeitZeichen): „3. Dezember 1888 [125]: Der Todestag des Mechanikers und Unternehmers Carl Zeiss“

WDR 3/WDR 5 ZeitZeichen: 3. Dezember 1888: Der Todestag des Mechanikers und Unternehmers Carl Zeiss

Es begann mit einem Einmannbetrieb. Im November 1846 eröffnete der dreißigjährige Mechaniker Carl Zeiss in Jena eine Werkstätte und einen kleinen Laden. Dort konstruiert, baut und repariert er physikalische und chemische Instrumente, von denen die Lupen, die er aus Spiegelglas schleift, besonderen Anklang finden. Ein Jahr später schon beginnt er mit der Produktion einfacher Mikroskope. Äußerste Präzision ist sein Leitmotiv bei der Arbeit. Als er 1888 im Alter von 72 Jahren stirbt, ist aus der kleinen Werkstadt ein Großbetrieb geworden und die Zeiss Produkte sind weltbekannt. Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann © WDR 2013

Eine bestenfalls naive, schlimmstenfalls infame Sendung: Der (unerhebliche) „Firmenhistoriker“ von Zeiss darf unwidersprochen und im Kommentar unrelativiert mehrmals das neoliberale Wissenschaftsdogma hinausposaunen – Wissenschaft hat vor allem und in erster Linie mit der Wirtschaft zusammenzuarbeiten und sich ihr unterzuordnen.

junge Welt: „Diese Wirtschaft tötet“

28.11.2013: Diese Wirtschaft tötet (Tageszeitung junge Welt)

Die Kirche soll sich engagieren: Gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Niedriglohn, Armutsverwaltung und den Ausschluß von Menschen

Von Papst Franziskus