„Türsteher brauchen wir hier nicht!“
Vorhin in der Üstra (also dem Hannoveraner ÖPNV): Die Straßenbahn steht an die Haltestelle Herrenhäuser Gärten. Die Türen schließen sich nicht, allerdings noch nicht für den Fahrgast auffällig lange. Auf einmal blafft der Fahrer unvermittelt, ziemlich laut und ziemlich rauh ins Mikrofon:
Türsteher brauchen wa hier nicht!! Wenn Se Türsteher werden wollen, müssen Se zum Steintor gehen, da werden immer welche gesucht!!
Leider, leider, der Missetäter, der da durch dämliches Rumstehen auf den Trittstufen das Schließen der Türen blockiert hat, er war im anderen Wagen.
Mir hat die Reaktion des Fahrers ausgezeichnet gefallen – fast eine Wohltat angesichts der üblichen neudeutschen Freundlichkeitsüberschwemmung in Bussen und Bahnen. Ich habe ihn mir beim Aussteigen angeguckt: ein würdiger, brummiger Mann um die sechzig mit schlohweißen, dichten Haaren und Metallbrille.





So, ich hoffe, die Tagesereignisse haben die FAZ gestern zumindest fürs erste zum letzenmal veranlaßt, aus der Form zu gehen. Mir gefällt diese kleine Serie auch nicht mehr, drei Folgen reichen, weiß Gott.
Zwischen neun und halb zehn zwei Runden um die Graft getobt, die üblichen sieben Kilometer.
Oh, was für wunderschöne Kreationen von Regenschutzkleidung für Radfahrer es gibt; mal bunt, meist aber in gedeckten Farben – und ganz gewiß in alle Richtung für Flüssiges und Gasförmiges nach dem neues Stande der Faserchemie durch- oder auch undurchlässig. Das bedeckt immer den ganzen Körper, oft stecken auch die Füße in „Füßlingen“ (schon das Wort! übel
). Selbstverständlich aber trägt man ein Kapuze, die so weit zugezogen ist, daß nur noch die Augen freibleiben.

Vielleicht ist es ein bißchen übertrieben, aber ich habe gerade das Gefühl, daß wieder einmal der Weihnachtsschmuck nicht rechtzeitig aus der Öffentlichkeit verschwinden will. Wobei es allerdings auch in dieser Hinsicht beruhigend ist, daß sich die wohlmeinenden türkischen Unterschichtler die Gebräuche der Deutschen abschauen.
Verschlafen und zur Strafe von einer
So schön kann ein Tag beginnen. Am Geldautomaten steht eine freundliche ältere Dame vor einem: zentimeterkurze hellgraue Haare, langer Rock, Nickelbrille, diese Kombination aus Entenschuhen und Pumps, die man früher sehr oft gesehen hat. Nachdem der Automat das Geld ausgespuckt hat, sortiert sie es zählend im Zeitlupentempo in ihr Portemonnaie, ohne einen Schritt zur Seite zu treten. Ein energischer Schritt nach vorne wird mit einem – ganz langsamen – Blick bestraft. Ob etwas sei? Ob sie ihre Finanzen bitte nicht auch etwas abseits sortieren könne? Nein, sie mache das immer so, und man sei hier nicht auf der Flucht. Ob sie sich vorstellen könne, daß es Leute gebe, die auf dem Wege zur Arbeit in Eile seien? Ein Grunzen.
In einer stillen Seitenstraße kommt uns kurz nach Sonnenaufgang eine Frau entgegengeradelt. Das Alter läßt sich auf die Schnelle nicht ganz genau feststellen, weil ihre schulterlangen Haare selbstverständlich hennarot gefärbt sind – irgendwas zwischen Ende zwanzig und Anfang fünfzig. Immerhin, daß sie es eilig hat, daß erkennen wir, und einen gequälten Blick auch.