jungle-world.com – Archiv – 09/2013 – Inland – Die Krise der Piratenpartei
Es kriselt heftig derzeit, was nicht zuletzt mit den rüden Umgangsformen zu tun hat. Ohne Rücksicht auf Verluste via Twitter, Facebook oder SMS ausgetragene persönliche Streitereien, die immer wieder ihren Weg in die Öffentlichkeit finden, zeichnen das Bild einer zutiefst unsympathischen Partei. All den aufrechten Bürgerrechtlern, die es ja auch gibt, zum Trotz, prägen substanzlose Karrieristen, eitle Selbstdarsteller und durchgeknallte Politdesperados das Bild.
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Nicht einmal von dem hehren basisdemokratischen Anspruch, den die Partei vor sich her trägt, bleibt in der Praxis viel übrig. Denn wer ab einer bestimmten Größe auf Delegiertenmodelle verzichtet und stattdessen seine überregionalen Parteitage als Mitgliederversammlungen durchführt, gleichzeitig jedoch weder Fahrtkosten noch Übernachtung zahlt, schränkt Partizipationsmöglichkeiten ein. Die Teilnahme wird zu einem Luxus, den man sich leisten können muss. So schafften es beispielsweise zur Aufstellung der nordrhein-westfälischen Bundestagswahlliste Ende Januar von insgesamt 6 250 Mitgliedern nur 430 ins abgelegene Meinerzhagen im Sauerland.
In der Konsequenz bildet sich innerhalb der vermeintlich egalitären Partei eine Art Reiseavantgarde heraus.
Die Kritik an der Männerbündelei und vor allem das Anmeckern einer Frauenquote in der ersten Hälfte des Artikels scheint mir überzogen – es ist nun einmal ein Männerbund, d.h. es gibt in diesem Milieu kaum Frauen. Da scheint es mir eher unangenehm reißerisch und anbiedernd, wenn sie in Berlin vier Frauen auf die ersten Listenplätze stellen.
Den zitierten Passagen würde ich hingegen zustimmen, man ahnt es vielleicht… Seit ich mich mit „Social Media“ im engeren Sinne befasse (seit Anfang 2009), ist mir klar, daß sich eines damit jedenfalls nicht veranstalten läßt, nämlich Politik.
Die zu Recht so genannten Politdesperados („Männerrechtler“, Antideutsche, „Libertäre“, Wunderheiler, Israel-Fans und -Hasser, sonstige Geisterseher etc. pp.) haben noch jeder Neugründung zu schaffen gemacht – aber eine Internet-Partei begünstigt gewiß Gestalten, die auch ansonsten nur „im Internet“ aktiv sind und wahrgenommen werden.