Jungle World: „Barbie oder Ein Puppenheim – Das ‚Barbie Dreamhouse‘ in Berlin“

H.-H. Nolte: „Weltgeschichte“ (15.-19. Jh.) 4 – von Malaiinnen und Meisjes (und von aus ihnen gelegentlich resultierenden Hitzschlägen der Mijnheers und von ihren glücklichen Witwen)

Nolte - Weltgeschichte (15.-19. Jh.) 4Im Kapitel über Geschlechterrollen ein interessanter und auch amüsanter Absatz über frühneuzeitliche Holländer-Schicksale in den malaiischen Archipelen, also im heutigen Indonesien. (Batavia ist bekanntlich das heutige Jakarta bzw. dessen historischer Nukleus.) Also bedauern wir ihn, den unglücklichen batavischen Ehemann der Wander-Malaiin – wegen seiner enttäuschten Träume und wegen seines garstigen Endes:

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FAS: „Gender-Design: ‚Ich glaube nicht, dass Mädchen ein pinkes Gen haben‘“

Gender-Design: „Ich glaube nicht, dass Mädchen ein pinkes Gen haben“ – Menschen – FAZ

Ganz interessantes Interview…

Und mein Gefühl dabei ist oft, provokativ gesagt, eigentlich hätte sich der Designer lieber an einem Porsche und nicht an einer Saftpresse versucht. Darum versieht er eben die Saftpresse mit einem Turbo, der aus 17 Teilen besteht, die man nur schlecht wieder zusammensetzen kann. Ich habe so eine Saftpresse, die in der Ecke verstaubt, weil ich die vielen Teile nicht immer säubern will. Für mich ein typischer Fall, dem Mann fehlt die entsprechende Erfahrung.

Ich denke hier sofort an die neue Küche meiner Mutter. Sehr solide Arbeit – aber zwei Details: Erstens ist der Abfluß der Spüle genau in deren Mitte, sodaß man den Gummi-Pröppel kaum reinstöpseln kann, wenn sie voll mit Geschirr ist. Und wenn er nicht drin ist, blockiert in der Spüle liegendes Geschirr oft den Abfluß. Zweitens die kaum sichbaren Markierungen den Drehschaltern der hochmodernen Umfluft-Gas-Elektro-Herdes. Sofort ist das Urteil zur Hand: „Das kann sich nur ein Mann ausgedacht haben, der selbst nie in der Küche steht!“ (Vermutlich trifft es.)

Ferner geht es auch um die schon hier erwähnte Pinkifizierung kindlicher Lebenswelten.

Jungle World: „Eisberg voraus – Die Krise der Piratenpartei“

jungle-world.com – Archiv – 09/2013 – Inland – Die Krise der Piratenpartei

Es kriselt heftig derzeit, was nicht zuletzt mit den rüden Umgangsformen zu tun hat. Ohne Rücksicht auf Verluste via Twitter, Facebook oder SMS ausgetragene persönliche Streitereien, die immer wieder ihren Weg in die Öffentlichkeit finden, zeichnen das Bild einer zutiefst unsympathischen Partei. All den aufrechten Bürgerrechtlern, die es ja auch gibt, zum Trotz, prägen substanzlose Karrieristen, eitle Selbstdarsteller und durchgeknallte Politdesperados das Bild.

[...]

Nicht einmal von dem hehren basisdemokratischen Anspruch, den die Partei vor sich her trägt, bleibt in der Praxis viel übrig. Denn wer ab einer bestimmten Größe auf Delegiertenmodelle verzichtet und stattdessen seine überregionalen Parteitage als Mitgliederversammlungen durchführt, gleichzeitig jedoch weder Fahrtkosten noch Übernachtung zahlt, schränkt Partizipationsmöglichkeiten ein. Die Teilnahme wird zu einem Luxus, den man sich leisten können muss. So schafften es beispielsweise zur Aufstellung der nordrhein-westfälischen Bundestagswahlliste Ende Januar von insgesamt 6 250 Mitgliedern nur 430 ins abgelegene Meinerzhagen im Sauerland.

In der Konsequenz bildet sich innerhalb der vermeintlich egalitären Partei eine Art Reiseavantgarde heraus.

Die Kritik an der Männerbündelei und vor allem das Anmeckern einer Frauenquote in der ersten Hälfte des Artikels scheint mir überzogen – es ist nun einmal ein Männerbund, d.h. es gibt in diesem Milieu kaum Frauen. Da scheint es mir eher unangenehm reißerisch und anbiedernd, wenn sie in Berlin vier Frauen auf die ersten Listenplätze stellen.

Den zitierten Passagen würde ich hingegen zustimmen, man ahnt es vielleicht… Seit ich mich mit „Social Media“ im engeren Sinne befasse (seit Anfang 2009), ist mir klar, daß sich eines damit jedenfalls nicht veranstalten läßt, nämlich Politik.

Die zu Recht so genannten Politdesperados („Männerrechtler“, Antideutsche, „Libertäre“, Wunderheiler, Israel-Fans und -Hasser, sonstige Geisterseher etc. pp.) haben noch jeder Neugründung zu schaffen gemacht – aber eine Internet-Partei begünstigt gewiß Gestalten, die auch ansonsten nur „im Internet“ aktiv sind und wahrgenommen werden.

FR: „Gastbeitrag: Flirtwüste Deutschland“

Gastbeitrag: Flirtwüste Deutschland | Meinung - Frankfurter Rundschau

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der binationalen Ehen seit 1996 mehr als verdoppelt. Während bei den Damen Partner aus der Türkei, Italien und den USA bevorzugt werden, zieht es die Herren dagegen nach Osten. Der statistische deutsche Mann orientiert sich auf dem Heiratsmarkt neuerdings gerne nach Russland, nach Polen und in die Ukraine.

[...]

Wer weiß schon genau, was diese Männer bewegt! Ich hoffe, sie fühlen sich nicht von der Vorstellung einer stets devoten Weiblichkeit angezogen. Denn dabei handelt es sich um eine optische Täuschung. Die Russische Frau findet Männer süß und interessant. Aber nicht alle Männer. Sie mag in erster Linie kreative, verträumte, besessene Männer, mit denen sie vorsichtig, zärtlich, mütterlich umgeht.

Das ist zumindest nicht ganz daneben… Und daraus läßt sich sehr sauber schließen, daß diejenige Russinnen, die sich von kommerziellen Heiratsvermittlungsdiensten in den Westen vermitteln lassen, auf eine sozusagen ihre Natur verleugnende Art rational vorgehen. Denn es ist natürlich im Osten bekannt, daß die männliche deutsche Kundschaft dieser Firmen in der Regel zwar materiell wohlsituierte Typen, aber unter den ohnehin schon für nicht besonders peppigen geltenden Deutschen noch einmal die allerschauderhaftesten, verfettetsten und trotteligsten Langweiler sind.

Generell halte ich deutsch-russische (oder allgemeiner deutsch-slawische) Mischehen allerdings für begrüßenswert. Slawische Einkreuzungen haben den Deutschen noch nie geschadet und können ihnen weiterhin weiß Gott nicht schaden.

Stobart: „Lexikon der Gewürze“ 1 – Ingwer, Chinesen, Fisch, Katzen

Stobart - Lexikon 1Manchmal liest man, Ingwer passe nicht zu Fisch, doch wenn man den Chinesen trauen darf – und das darf man wahrscheinlich –, ist diese Meinung unsinnig. Es scheint sogar, als ob Ingwer die Fähigkeit habe, die weniger angenehmen Seiten des Fischgeruchs zu neutralisieren; mit Hilfe von Ingwer, etwa Sherry und zerriebener Rübe kann man sogar aus einem Schellfischkopf, den sonst die Katze bekäme, eine exzellente Suppe bereiten.

S. 79

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Wollsocken (ergänzt)

7913622544_4f3c3effb9_cEnde der 80er, Anfang der 90er gab es bei einigen von uns für die Erziehungswissenschaftler einen Spitznamen: die „Wollsocken“.

Die saßen damals in einem imposanten Gebäude aus der Zwischenkriegszeit in der Bismarckstraße (Südstadt). (Wiki: „Derzeit versucht das Land Niedersachsen das historische Gebäude zu vermarkten.“) Wenn man dort mal zu schaffen hatte, sagte man, sagten jedenfalls einige von uns: „So, ich fahr jetzt zu den Wollsocken.“

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FAS: „Sexismus-Debatte auf Twitter: Es ist zum Schreien“

Sexismus-Debatte auf Twitter: Es ist zum Schreien – Feuilleton – FAZ

Artikel ist ein besonders abschreckende Beispiel für die Erzeugnisse spätpubertierender FAZ/FAS-Feuilletons-Bloggermiezen. Schauderhaft.

Will ich, wenn ich mich schick mache, irgendetwas anderes, als anderen zu gefallen? Bin ich ein Sexist, wenn ich mich schick mache? Was will man, wenn man sich schick macht, außer gefallen? Warum will man gefallen? Ist es nicht das allertiefste Menschenbedürfnis zu gefallen, das von Männern wie das von Frauen, nur eben mittels anderer Strategien?

Autorin heißt immerhin nicht Julia, sondern nur Antonia.

FAZ: „Abtreibungsgegner: Die zweifelhaften Methoden der Lebensschützer“

Abtreibungsgegner: Die zweifelhaften Methoden der Lebensschützer – Inland – FAZ

Dem Eklat über katholische Krankenhäuser in Köln ging ein „Klinik-Test“ engagierter Abtreibungsgegner voraus. Auch für eine Aktion in Münster war 2010 schon viel Geld geflossen.

[...]

Die verdeckte Aktion steht am Beginn einer unheilvollen Entwicklung an deren Ende Mediziner in zwei katholischen Kliniken so verunsichert waren, dass sie dann Mitte Dezember die Aufnahme einer mutmaßlich vergewaltigten Frau ablehnten, weil sie befürchteten, im Verlauf der Behandlung auch über die „Pille danach“ aufklären zu müssen.

Daß die Bastarde so gut organisiert sind, war mir neu. Unfaßbar.

FAZ: „Nach der Vergewaltigung: Indiens Versagen“

Nach der Vergewaltigung: Indiens Versagen – Politik – FAZ

Nach dem Verbrechen von Delhi stehen die Inder vor einer schier unüberwindlichen Kluft. Die größte „Demokratie“ der Welt ist nur ein Feigenblatt für ein Land des Elends und der Verkommenheit.

[...]

Das Verbrechen an dem jungen Paar in Delhi selbst war Ausdruck dieses Bruchs. Die aufgeklärte Inderin, deren Eltern mit dem wenigen, was sie haben, ihr eine Ausbildung finanzieren, die sich mit ihrem Freund einen schönen Abend machte – sie war ein Bild der neuen Mittelschicht, auf die Indien seine Zukunft bauen will. Sie wurde zum Opfer einer Gruppe von Verlierern, die an dieser Zukunft nicht teilhaben, ohne Chancen sind und in einem Slum vegetieren. Das verhängnisvolle Aufeinandertreffen der Menschen zweier Schichten machte aus dem indischen Riesen einen Moloch, in dem die Masse der Inder von der Teilhabe an Wachstum und Wohlstand nur träumen kann. Manche erfüllen sich diesen Traum gewaltsam und berauschen sich an einer Art Rachegefühl, das sich gegen die Aufsteiger richtet, die es geschafft haben, die jene Kluft gegen alle Widerstände überwinden konnten und deshalb auf die Verlierer wie eine Provokation wirken.

Und hier ein nun in der Tat „einfach nur noch erschütternder“ Kommentar. Sein Autor (aus dem Ressort Wirtschaft) ist mir in den letzten Wochen – also angesichts der Vorfälle in Indien – schon des öfteren angenehm aufgefallen.

NachDenkSeiten: „Ist die Todessehnsucht der SPD-Spitze unbegrenzt? Sie sollte Steinbrück trotz der Peinlichkeit eines Rückzugs wieder aus dem Verkehr ziehen.“

Ist die Todessehnsucht der SPD-Spitze unbegrenzt? Sie sollte Steinbrück trotz der Peinlichkeit eines Rückzugs wieder aus dem Verkehr ziehen. | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Und ein Nebenaspekt von Müllers Text gefällt mir besonders gut:

Außerdem müsste jeder einigermaßen kundige Wahlkämpfer wissen, dass es auch Männer geben kann, die einen Frauenbonus haben. Die Kennedys wurden von Frauen gewählt, Helmut Schmidt wahrscheinlich auch, Willy Brandt auch, Kurt Georg Kiesinger vermutlich auch, auch Franz Josef Strauß hatte einen Frauenbonus, so komisch das klingeln mag. – Und dieser Wahlkämpfer und Spitzenkandidat der SPD ist so ignorant, dass er dies alles nicht weiß und dass er unterstellt, eine Frau habe per se einen Frauenbonus.

:d: Eben.

Und kein Mensch kann mir erzählen, daß irgendeine Frau das Wesen Murkel wählt, weil es auch XX-Chromosomen hat. Lächerlich, Genosse Steinbrück!

Und natürlich hatten Schmidt und auch Kiesinger einen Frauen-Bonus! Die Einschränkungen („wahrscheinlich“, „vermutlich“) scheinen hier fehl am Platz. Bei FJS bin ich mir hingegen nicht sicher – aber das sind Detailfragen…

FAS: „Peer Steinbrück im Gespräch: ‚Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus‘“

Peer Steinbrück im Gespräch: „Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus“ – Inland – FAZ

Das fatale „Der Kanzler verdient zu wenig“-Interview im Volltext.

Bedenkenswert unter anderem immerhin:

Sie [Steinbrücks Frau, K.B.] wird sehr selten in Erscheinung treten.

Warum?

Die Ehefrau eines Kanzlerkandidaten kommt im Parteiengesetz und in der Verfassung nicht vor. Wir wollen uns nicht auf einen amerikanisierten Wahlkampf einlassen. Das Risiko, dass meine Frau eine flammende Rede auf mich hält, würde ich auch lieber nicht eingehen.

Sie sehen ihre Zurückhaltung nicht als Nachteil für Ihre Kandidatur?

Ihre Kommentare im Fall gemeinsamer Disko-Besuche mit meinen Kindern oder von Home-Stories stehen glasklar vor meinen Augen. Ich finde es sehr respektabel und richtig, wie Frau Merkel und ihr Mann das handhaben. Das würden wir auch so machen.

Angela Merkel, Hannelore Kraft, Olaf Scholz – das sind andere Typen von Politikern als Gerhard Schröder, Otto Schily oder Joschka Fischer. Zu welchem Typus würden Sie sich rechnen?

Die Basta-Zeiten sind vorbei. Die Zeiten des Macho-Gehabes auch. Aber die Wählerinnen und Wähler erwarten schon, dass jemand Verantwortung übernimmt, Haltung zeigt und durchhält, Entscheidungen trifft und nicht laviert.

FAS: „Kommentar: Indiens missachtete Töchter“

Kommentar: Indiens missachtete Töchter – Ausland – FAZ

Seit Tagen demonstrieren die Menschen in Indien, weil eine 23 Jahre alte Studentin brutal vergewaltigt wurde und nun verstarb. Warum macht ausgerechnet dieses Ereignis Furore, wo doch Gewalt gegen Frauen in Indien an der Tagesordnung ist? Offensichtlich lässt sich die Mittelschicht nicht mehr für dumm verkaufen.

[...]

Die niedrigeren Kasten und die Adivasi, die Stammesgruppen, hatten nie etwas von der Regierung in Neu-Delhi erwartet. Wird ein Mädchen aus ihren Reihen so zugerichtet, kommt es zu keinen landesweiten Protesten. Gewaltverbrechen an Frauen in den Dörfern sind so gewöhnlich, dass sie nur zu Achselzucken führen. Kein Tag, an dem nicht brutale Übergriffe auf Frauen in den Nachrichtenspalten indischer Zeitungen aufgelistet werden.

[...]

Der Aufruhr in den Städten wird wieder abebben, der Ärger sicher nicht zum Umsturz führen. Wohl aber ist die aufkeimende Bewegung für mehr Schutz und mehr Rechte der Frauen ein weiterer Stein auf dem Weg des indischen Bürgertums. Seine täglich erfahrene Machtlosigkeit wird es auch in anderen Bereichen nicht länger hinnehmen.

FAZ: „Indien: Die Wut der Frauen“

Jungle World: „Vom Schtetl ins Bordell – Eine Ausstellung über Prostitutionsmigration in Berlin und Bremerhaven“

jungle-world.com – Archiv – 51/2012 – Dschungel – Eine Ausstellung über Prostitutionsmigration in Berlin und Bremerhaven

Interessanter, nur streckenweise etwas klischeehaft-unbedarfter Artikel.

Hausangestellte etwa waren sexuellen Übergriffen ihrer Dienstherren schutztlos ausgeliefert

Das ist natürlich in der Form lächerlich. Von anderen wichtigen Faktoren abgesehen, übersieht es schon die simple Tatsache, daß eine Dienstherrin ein erhebliches Interesse daran hat, sexuelle Beziehungen zwischen Dienstherr und Dienstmädchen zu verhindern.