Archiv des Schlagworts

Georgien-Krise 2008

Das Preludium, die Invasion Georgiens in Südossetiens, die Rußlands in Georgien — und die Folgen.

In den Tag hinein

gestolpert, und zwar über die heute wegen der Literaturbeilage zur Buchmesse (als PDF – 8,7 MB) ganz ziegelsteinartige FAZ. Zum Ausgleich ein besonders leichtschwebendes Titelbild, das – Bild des Tages – die guten alten Peanuts bemüht, nun ja. Auf der Site wir die Messe um so aufdringlicher präsentiert, hoffentlich ist das alles bald vorbei. In der Heckscheibe eine interessante Glosse von Nonnenmacher zum (bescheidenen) Zustand der russischen Armee. Wir harren der Darbietungen der E.R.schen Faschismus-Wochen.

Wir versuchen, die Lage in Georgien zu beobachten,

… und tun es damit den 340 EU-Beobachtern gleich. Die sollen nun laut einem Welt-Online-Artikel nach russischer Entscheidung nicht einmal in die von den Russen okkupierte Pufferzone hinein dürfen, obwohl sie doch eigentlich deren Räumung beobachten sollten. (Nach Südossetien und Abchasien dann ohnehin nicht.)

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Con Dolcezza in der FAZ an Rußland

Und zwar gar nicht süßlich, sondern ausgesprochen deutlich, nicht nur, wenn man den diplomatischen Sprachkodex als Referenz nimmt. Der brave Frank-Walter Steinmeier müßte vermutlich psychologisch betreut werden, wenn er gezwungen wäre, so zu reden. Auch hier immer wieder der Aufruf zur Einigkeit unter den Staaten des Westen, verklausuliert als Feststellung dieser Einigkeit. Und die – völlig zutreffenden – Kernsätze scheinen mir diese:

Die Vereinigten Staaten und Europa werden nicht zulassen, dass die russische Führung doppelgleisig fährt und auf der einen Seite die Vorteile der internationalen Regeln, Märkte und Institutionen genießt, aber gleichzeitig ihre unmittelbaren Grundlagen in Frage stellt. Es gibt keinen Mittelweg. Ein Russland des 19. Jahrhunderts kann nicht Seite an Seite mit einem Russland des 21. Jahrhunderts in der Welt auftreten.

(Condoleezza ist in der Titelzeile falsch geschrieben, nämlich mit nur einem z. Braucht sich also keiner zu schämen, wenn er auch mal daneben haut…)

Martin Meyer hat…

… Robert Kagan gelesen, nämlich „Die Demokratie und ihre Feinde“. Ich leider nicht, und so bleibt mir hier nur festzuhalten, daß ich gerade den längeren und interessanten, aber auch nicht gerade besonders dichten Artikel „Rückkehr des Politischen im Zeichen der Autokratie“ von Martin Meyer, Feuilletons-Chef der NZZ, gelesen habe.

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Doppelpack zu Georgien in der FR

Die Frankfurter Rundschau hat zwei international prominente Autoren für jeweils einen Artikel zum Thema Georgienkrise gewinnen können.

Und einer von beiden, Garri Kasparow nämlich, weiß auch, was er sagt und wovon er redet: „Eine Chance, Geschichte zu schreiben“.

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Mehr Macht, weniger Geld

Eine sehr ruhige und nicht dumme Analyse der machtpolitischen Gegebenheiten nach dem Georgien-Krieg liefert Michael Ludwig: Mehr Macht, weniger Investionen für Russland.

Darüber, daß Rußland den Krieg provoziert hat, dürfte weithin Einigkeit bestehen – gleich, was von Saakaschwilis Behauptung zu halten ist, man habe mit dem Einmarsch in Südossetien der schon anrollenden russischen Invasion entgegentreten wollen.

Für mich ein Aufreger ist das hier:

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Kleine lokale Kriege und noch eine Liebeserklärung

Arkadi Babtschenko, bekannt durch sein autobiographisches Buch „Kind des Krieges“ über den Ersten Tschetschenienkrieg, wird von der NZZ interviewt. Er äußert Verständnis für den russischen Einmarsch in Südossetien, mißbilligt aber die Invasion im georgischen Kernland.

Natürlich und zu Recht bezweifelt er die vom mafiosen Regime in Südossetien genannten Zahlen von toten Zivilisten in Zchinwali.

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Georgien – die schwierige Geliebte

Ein kluger, nicht zu langer Artikel von Kerstin Holm (wie schon des öfteren erwähnt eine meiner Lieblingsjournalistinnen zum Thema Rußland) zur zwiespältigen und komplizierten Haltung der russischen Intelligenzia zum Georgien-Konflikt. Sehr schön darin vor allem diese Passage zum russischen Georgien-Bild:

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Zweimal die NZZ zu Rußland

In der Online-Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung finden sich gestern und heute je ein interessanter Artikel zur russischen Kollektivpsyche. Gestern bemüht der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch dazu (nicht als erster) den russischen Knastsprachen-Treminus „Bespredel“ (wörtlich „ohne Grenzen“): „Grenzüberschreitungen“. Das Wort bezeichnet eigentlich einen Zustand- in dem die festen Regeln und der Kodex den Gefängnis- und Gulag-Lebens außer Kraft gesetzt werden, einen Aufruhr.

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Zu Putin und Saakaschwili

In der Süddeutschen eine wie mir scheint bedenkenswerte Analyse der Lage im Transkaukasus aus der Feder von Richard Holbrook, ehedem US-Botschafter in Deutschland: „Der Preis des Hasses“. Mit dem Haß ist der Haß Putins auf Saakaschwili gemeint.

Ich fasse zusammen:

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FP: Sieben Fragen zu Rußlands Fehler(n)

Ein ziemlich kluges Interview mit Paul A. Goble auf Foreign Policy zum Georgien-Konflikt kann zur Lektüre empfohlen werden: Seven Questions: Russia’s Big Mistake. Ich fasse zusammen: Goble unterscheidet sinnvoll zwischen Ursachen (die russischen Destabilisierungspolitik) und Auslöser (Saakaschwilis Einmarsch in Süd-Ossetien) des Konflikts.

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Die Kugel kreist

Sonja Margolina – eigentlich immer recht lesenswert – analysiert in der TAZ unter dem Titel „kaukasisches Roulette“ die weltpolitische Lage angesichts des Georgien-Konflikts. Nun, die Position und die Motive der USA sieht sie, wie in Deutschland üblich, wohl als geschlossener und zielgerichteter an als sie tatsächlich sind.

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… und eine Leine für den Krallenträger

Eine solche fordert Josef Joffe, Mitherausgeber der Zeit. Er erläutert, was seines Erachtens „der Westen gegenüber Russland lieber lassen sollte“. Freut mich zu lesen, daß politischer Verstand in jener Redaktion noch nicht ganz ausgestorben ist.

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Die Krallen des Bären

Marc Zitzmann referiert in der Online-NZZ die Rekationen verschiedener französischer Intellektueller auf den Georgien-Rußland-Aufruf André Glucksmanns und Bernard-Henri Lévys: „Warum der krallt der Bär?“. Zitzmann greift Lévy sehr scharf an, und zwar wegen einer vorgestern in Le Monde erschienenen Reportage aus Georgien. Zitzmann:

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Noch ein Déjà-vu

Wie man es erwarten konnte, macht die FAZ mit einem Foto eines russischen Panzers in Prag im Jahre 1968 auf. So soll es auch sein. Und auch die Frage, von wo und von wann denn das Foto stamme, ist nur recht und billig: „Budapest 1956? Grosny 1999? Gori 2008 […] bei russischen Einmärschen gleichen sich nicht nur die Bilder.“

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