In Kürze

Man vergleiche das, was Borges so en passant über das Christentum zu sagen hat, mit den plumben, immergleichen Hubereien eines Gómez Dávila. Fanatismus führt immer in die Einöde, er ist einfach langweilig. (Wobei man zugeben muß, daß Gómez nicht für’s Publikum, sondern zur eigenen Beruhigung geschrieben hat, also ursprünglich nicht lästig fallen wollte.) Überhaupt: Das massenhafte oder auch nur gehäufter Verfassen von „Aphorismen“ führt bei Nicht-Genies immer in die Tumbheit und in die Lächerlichkeit. (Nicht nur im Twitter.)

Bildquelle: Steve Rhodes, CC

Der Kleine Orient von Argentinien

The_Muezzins_call_to_prayerHeute morgen ist beim Durchpflügen der Presse unerfreulicherweise Edward Said ans Tageslicht gekommen – „Orientalismus“ :roll: . Fügt sich fein, daß mir nun des nachts beim Rumblättern in Borges‘ Die tiefe Rose „Der Orient“ unterkommt. Na ja, bringt’s wohl nicht, die strengen jungen Herrschaften aus den 70ern ex post um Nachsicht für unseren Orient bitten zu wollen… In den Fremdenverkehrs-Ministerien der betreffenden Länder wäre man da gewiß allezeit nachsichtiger gewesen. Und meine Güte, hat Gaddafi abgebaut! Aber auch das nur nebenbei, hier also das Borges-Poem:
(weiter…)

Al triste

tristeAl triste

Ahí está lo que fue: la terca espada
Del sajón y su métrica de hierro,
Los mares y las islas del destierro
Del hijo de Laertes, la dorada
Luna del persa y los sin fin jardines
De la filosofía y de la historia,
El oro sepulcral de la memoria
Y en la sombra el olor de los jazmines.
(weiter…)

Hombres de hierro II

ritter_tod_teufelDies ist die zweite Fassung…

Larga muchacho tu voz joven
como larga la luz el sol
Que aunque tenga que estrellarse
contra un paredón
Que aunque tenga que estrellarse
se dividirá en dos.

(weiter…)

Ein Löwe am Mittag

loeweEs paßt einfach alles zu gut zusammen. Der den Holocaust geleugnet habende +Williamson ward aus Argentinien hinausgebeten (ausgebetet?). Bei mir läuft seit fast schon zwei Wochen der „argentinische Bob Dylan“ Léon Gieco in Endlosschleife. Zum hundersten Jubiläum des Futuristischen Manifests paßt es auch.

(weiter…)

Aus dem Sandbuch

robert_burnsDer Bibelverkäufer ist im Haus und bietet Borges das Buch ohne Anfang und Ende und mit einer unbestimmten Seitenzahl an. Er rechtfertigt sich, es einem Eingeborenen in Indien abgeluchst zu haben. Er sei Presbyterianer und sei sich sicher, den Eingeborenen nicht übers Ohr gehauen zu haben, als er das teuflische Buch gegen das Wort des Herrn eingetauscht habe.

(weiter…)

JLB – Lob des Schattens

schattenHeute morgen bin ich auf den Gedanken gebracht worden, auf Schatten zu achten und mir über Schatten Gedanken zu machen. Den Tag über habe ich die Dunkelheit herbeigesehnt. Und nun bin ich wieder an Borges‘ Gedicht „Lob des Schattens“ hängengeblieben.

(weiter…)

JLB: An Island

Bei Peter Hammer (Köln) gibt’s was Neues von Jorge Luis Borges: „An Island“.

Wie so oft bei JLB gefällt mir hier die wiederholte jähe Wechsel von getragener Melancholie, Abgeklärtheit, Klugheit und etwas beflissener Gelehrsamkeit zu plötzlichem, harten Pathos.

Es ist, als ob auf einmal ganz unvermittelt ein Schwert aus der Scheide flöge. Ich weiß schon, warum ich Borges seit so langen Jahren nun schon so sehr mag.

(weiter…)

Fragmente eines apokryphen Evangeliums (Jorge Luis Borges)

Peter Hammer (Köln) hat sich die Mühe gemacht, die 1969 in dem Gedichtband (!) „Lob des Schattens“ erschienenen „Fragmente eines apokryphen Evangeliums“ von Jorge Luis Borges auf den Scanner zu packen und in seinem Blogue zu publicieren. Mag ich schon seit langer Zeit sehr; manche sind ein bißchen banal, aber so ist das eben fast immer mit aphoristischer Schreibe.

(weiter…)

Borges über Israel

Peter Hammer (Köln) hat sich anscheinend von den deutlicher werdenden Mutmaßungen über einen bevorstehenden Luftschlag des Staates Israels gegen die Islamische Republik Iran inspirieren lassen, die den Alt-k2lern unter unseren Lesern vielleicht noch bekannten martialischen Gedichte von Jorge Luis Borges über Israel in sein Blog einzuspammen.

Man muß sich klarmachen, daß wir hier dem Geist der späten Sechziger Jahre begegnen – nämlich der Begeisterung des Dichters und vieler anderer Menschen im Westen über den famosen Sieg Israels im Sechstagekrieg 1967.

(weiter…)

JLB: An die deutsche Sprache

Ah, wie herrlich ist dieses Gedicht von Borges, wohl eines seiner bekannteren und vielleicht das Schönste, was über unsere Sprache je gesagt worden ist: An die deutsche Sprache.

(Man beachte nebenbei, daß Englisch für ihn die Sprache der Bibel ist. Er hat eine englische Großmutter, und in England liest man die Bibel, nicht aber im katholischen Argentinien.)

(weiter…)

Eber und Hyäne mögen sich in Nachtmahrnetzen verfangen

netze.jpg

Sie sollen nicht deine heilige Erde entweihen, England,
der deutsche Eber und die italienische Hyäne.

Dergestalt wendet sich Borges sozusagen ex post Ende der Sechziger an einen gewissen Schatten im Jahre 1940 und er ruft sie herbei:
(weiter…)