Der Kleine Orient von Argentinien

The_Muezzins_call_to_prayerHeute morgen ist beim Durchpflügen der Presse unerfreulicherweise Edward Said ans Tageslicht gekommen – „Orientalismus“ :roll: . Fügt sich fein, daß mir nun des nachts beim Rumblättern in Borges‘ Die tiefe Rose „Der Orient“ unterkommt. Na ja, bringt’s wohl nicht, die strengen jungen Herrschaften aus den 70ern ex post um Nachsicht für unseren Orient bitten zu wollen… In den Fremdenverkehrs-Ministerien der betreffenden Länder wäre man da gewiß allezeit nachsichtiger gewesen. Und meine Güte, hat Gaddafi abgebaut! Aber auch das nur nebenbei, hier also das Borges-Poem:
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Vor-Sommers-Podcast

erdbeere

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Stichworte zum Inhalt: Vor-Sommer, nachts Radfahren, Wasser trinken, Durchhänger, k2, Pastelltöne, Ruhe in den Blogs/Foren, SiN, Gelaber.

Bildquelle: ChinchillaVilla, CC

Toben

StreifenNicht im Sinne von „wüten“, sondern im konkreten, körperlichen Sinne – austoben. Bei Frost und Dunkelheit durch die leeren Straßen der Stadt gegen den Ostwind anrennen, angetan mit einem russischen Matrosenhemd, ein martialisches gallisches Liedchen auf den Lippen. Was könnt’s Schöneres geben?

Lady Midnight

406px-i_am_your_man.jpgWenn denn in den deutschen Feuilletons schon das Cohen-Fieber ausgebrochen ist, will ich mit meinem Lieblingssong auch nicht hinter dem Berg halten… Was ich von dem Sekundär-Video halten soll, weiß ich nicht; ich überlasse das gerne dem Geschmack und der Tagesform des geneigten Betrachters.

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Schnee im Frühling

schnee.jpgHeute findet alles ein bißchen später statt. Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, bin ich heute zum erstenmal nach Mitternacht gelaufen — und das nun gerade in der Osternacht.

Vor dem Gemeindehaus der evangelischen Kirche nebenan brennen sie ein Osterfeuer ab, ein merkwürdiger Anblick im Wohngebiet, aber doch hübsch anzuschauen. Dennoch: Es paßt nicht. Nicht neben einer Kirche. Osterfeuer sollten mit Suff und Krach verbunden sein, nicht mit wohlanständigem Danebenstehen und ein paar Tanten-Reflexionen über den heidnischen Ursprung der Veranstaltung.

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II

vign_003.gif♦ Der Tag beginnt schlecht, nämlich mit dem Sprecher der Siebenuhrnachrichten auf Deutschlandradio. Er spricht hastig, flach, trennt die Wörter nicht richtig, hebt kaum die Stimme, wenn er betont, betont er wirr. Und vor allem: Er bemüht sich, fremde Namen haargenau so auszusprechen wie in der Sprache, aus der sie stammen – allemal ein Erkennungszeichen für die geistige Infanterie. Der Name Prodi klingt auch anständig ausgesprochen schon häßlich genug. (Auch ohne daß man seine Träge vor Augen hätte.) Aber was macht er? Erstens spricht er ein offenen o – schon das ist unerträglich. Zweitens ein Zungen-r… Aber es geht immer noch ein bißchen schlimmer: er spricht allen Ernstes ein nichtaspiriertes p.

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Hundsstern

position_alpha_cma.pngGegen neun beim Laufen ein Wintersternenhimmel so schön, wie man ihn in der Großstadt selten zu sehen bekommt. Im Norden martialisch und winterlich-senkrecht die Sichel des Großen Wagens, im Osten der große Himmelskrieger, zu seinen Füßen der Große Hund. Zum ersten Mal erst in diesem Winter werde ich des Sirius‘ gewahr. Dieser stolze, kalte und gleichmütige Gast an unserem Himmel. Prächtig hoch droben die Zwillinge und die Pleiaden.

Schön; das ist ein Bild (sogar das Bild?) des Winters.

Von wegen martialisch: den Mars, der in den letzten Wochen so hübsch zu sehen war, konnte ich leider nicht zur herbeigesehnten Komplettierung des Bildes aufspüren.

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Fahnen klirren

fahnen2.jpgLeider keine richtigen Fahnen, sondern diese komischen vertikalen Standarten, die man früher nur aus Gewerbegebieten kannte, und die sich jetzt auch vor Universitäten und Universitätsinstituten vermehren wie die Ratten. Beim Laufen von hier zum Königsworther Platz (insgesamt so sieben Kilometer) kommt man allein an vier dieser Grüppchen von Scheußlichkeiten vorbei.

Universitäten verkaufen sich wie Tankstellen, widerlich. (An einer Shell-Tankstelle kommt man auf besagter Strecke auch vorbei, und auch dort: Standarten.) Und diese Standardten haben immer so einen vertikalen „Tragebalken“, damit sie auch bei Windstille gut zu sehen sind. „Es soll immer Weihnachten sein.“

Heute abend aber war es windig, und wie, und an Standartenklirren herrschte kein Mangel. Zum erstenmal seit zwei Jahren mit Mütze und Handschuhen unterwegs, allerdings aus Eitelkeit nur auf dem Hinweg gegen diesen abscheulichen Ostwind. Die Temperatur nicht gerade furcheinflößend, um neun herum so gegen minus drei Grad, aber wenn man dabei gegen starken Wind laufen muß, ist es unangenehm; hat man den Wind im Rücken, ist es das nicht.

Vorsichtige Liebeserklärung an die Nachtlaufstrecke

strecke.jpgMan muß sich zugegebenermaßen in jedem Herbst aufs neue an sie gewöhnen – und des Sommers vermißt man ihren spröden, eckigen Charme auch keineswegs allzusehr. Wie schon in den Laufwintern zuvor stellen wir jedoch auch heuer wieder seit vielleicht Ende November, Anfang Dezember fest, daß uns das alte Meuble wieder einmal und/oder noch immer ans Herz gewachsen ist.

Einen Kilometer nach Osten an der Stirnseite des Großen Gartens vorbei, dann einen nach Süden längs der Graft (der Graben um den Großen Großen) und nochmal einen nach Osten durch die Kleingärten auf die Uni zu – auf allen drei Teilstücken hat es (eine teils recht funzelige) Straßebeleuchtung, daher. Und dann zurück.

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Anti-Föhn

phon.jpgBäh, was für ein nervenzehrender Wind in den letzten Tagen. Nicht sehr stark, aber ganz unausgesetzt und namentlich beim Laufen ganz scheußlich. Es hat nicht einmal etwas Heroisches, dagegen anzulaufen.

Es ist ein Anti-Föhn. Ostnordost, leicht, kalt, feucht, fein, schmallippig. Eine norddeutsche Nervensäge. Dazu unpräziser Hochnebel, der zwar tagsüber ein auf den ersten Blick schönes mildes Licht gibt, das dann aber auch irgendwann fast bösartig wirkt.

Vorhin gegen neun gelaufen, schon zum zweiten Mal in diesem Jahr in langer Hose (und das bei kaum minus 1 Grad), zum vierten Male schon mit langen Ärmeln. Aber dieser Wind ist sooo blöd.

Und keineswegs nur, damit jetzt auch jeder das lustige Wortspiel ganz versteht, erlaube ich mit hier, auf die schönen adventszeitlichen Antiphonen im Blog von KJ hinzuweisen. :-)

Wildgänse

wildgaense.jpg

Gegen sieben gelaufen, durch die Herrenhäuser Gärten und die umliegenden Laubenkolonien. Es ist kühl, knapp über Null Grad; zum erstenmal in diesem Jahr langärmelig, auch wenn das nicht so toll aussieht. Ganz leichter Dunst.

Und dann auf einmal dieser wunderbare, sirrende Ruf von Wildgänsen – eines der schönsten und ermutigendsten Geräusche, die man als Läufer zu hören bekommen kann. Blick nach oben: Vor dem hellen Nachthimmel der Großstadt zeichnet sich die Kette der Vögel ab. Wunderbar.

Nachtflug

Nachtflug

Ein städtischer Nach-Feierabend fliegt links und rechts vorbei, und das ist hübsch.

Nun, meisten ist es eine Plage und eine Notlösung, das Laufprogramm nächtens zu absolvieren. Aber manchmal stimmen die Komponenten: gute Form, bärbeißig-grimmige Laune, ein zerschossener Tag ist Gott sei Dank vorbei. Es ist neun Uhr, so gegen sechs Grad warm, Regen, starker Wind.

War toll, federleichter Kontakt zum Boden. Wir laufen längs der Straße, die entgegenkommenden Scheinwerfer lösen sich in den Regentropfen vor der Brille in ein dekoratives Leuchtknöpfchen-Schaltpult auf.

Die dickvermummelten Gestalten, an denen man vorbeifliegt, werden mit freundlich-geringschätzigen Blicken bedacht, in der vorbeifahrenden Straßenbahn frißt einer Pizza.

Aufbruch in die Dunkelheit

epoundSeit langen, langen Jahren mag ich den Anfang des Ersten Cantos von Ezra Pound sehr. Leider finde ich den Band mit der meisterlichen Übersetzung von Eva Hesse nicht im Regal, sodaß ich die deutsche Fassung aus dem Gedächtnis rekonstruieren muß. Lapsus in der Übersetzung gehen in jedem Fall auf meine Kappe.

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Ins Dunkle Drittel – Hunde mit Rücklichtern

Dunkles Drittel

Es beginnt sehr bald, das Dunkle Drittel des Jahres, die Zeit zwischen Mitte Oktober und Mitte Februar. Die Zeit der Nachtläufe auf den immer gleichen Strecken, meist nicht sehr lange Routen längs wenig befahrener Straßen oder auf irgendwelchen Wegen in Kleingartenkolonien.

Na, es sind im Grund nur zwei Strecken von sieben Kilometern Länge. Zur Monotonie des täglichen Laufens paßt es auch schlecht, sich abwechslungsreiche, „innovative“ Routen zurechzuschneidern. Man reißt die Sache halt ab wie einen Abenspaziergang. Die Stetigkeit der körperlichen Übung, auch beim Hantelstemmen vor dem Laufen, wird eigentlich erst durch die verhältnismäßige Eintönigkeit möglich. Zwar strengt man sich ziemlich an, kann aber gerade in dem festen Korsett des Programms die Gedanken laufen lassen. Weiß gar nicht, wieviele Texte ich dabei in all den Jahren schon im Kopf formuliert habe.

Heute gegen 19:00 Uhr das untrügliche Zeichen, daß es ins Dunkle Drittel geht: in den Gärten ein Köter mit Rücklicht. Wie blöd sieht das aus. Es sind Halsbänder, aber wenn man das auch aus nur mäßiger Entfernung sieht, denkt man – auch, weil das Licht rot ist – unwillkürlich, die hätten so einen Leuchtpröppel im *rschl*ch stecken.

Schlimm auch des Nachts der Anblick von Joggern mit Rücklichtlein: „Ich bin sportlich, aber verantwortungsbewußt und allemal vorsichtig.“ übel

Nachtgeflüster (Ballauf; Schenk)

tatort_nachtgefluester.jpg„Nachtgeflüster“, WDR, 2007, Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Seelen-Striptease-Radiosendungen

:-)

Meine Güte, war das gelb. Eigentlich mag ich Gelbstiche und hasse Blaustiche, aber das war nun doch ziemlich kraß. Als Gegengewicht gab’s ein wahres Farbfeuerwerk im Sendegebäude: Königblau auf dem Flur, Grün im Plattenarchiv, Knallrot am Sendepult, Hellblau auf der Damentoilette. Ich rege mithin an, einmal einen Tatort in Schwarzweiß zu produzieren.

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