Archiv des Schlagworts

Osterhammel: Verwandlung

Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, Sonderausg., München: Beck, 2011, [zuerst 2009], 1568 S.

„Die Verwandlung der Welt“ 22 – die Indianer, die Pferde und die Bisons

Jürgen Osterhammel - Die Verwandlung der Welt 22Auf den Seiten 481-486 hat es (im Hauptkapitel „Frontiers“, S. 465-564) ein außerordentlich inhaltsdichtes und auch noch impressives Kapitel über die nordamerikanischen Indianer in der Periode vor ihrer (Fast-)Ausrottung durch die US-Amerikaner. Daraus exzerpiere / repetiere ich folgendes:
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„Die Verwandlung der Welt“ 21 – über den Amerikanischen Bürgerkrieg und über Abraham Lincoln

Jürgen Osterhammel - Die Verwandlung der Welt 21

Die Jahre des Bürgerkriegs zerfasern in viele Geschichten. Eine, die sich erzählen lässt, ist die Geschichte, wie der Süden trotz großer materieller Unterlegenheit sich zunächst erstaunlich gut behauptete und erst Mitte 1863 vor dem stärkeren Norden zurückweichen musste. Eine andere Geschichte wäre die der Mobilisierung immer größerer Bereiche der Gesellschaft auf beiden Seiten, eine dritte die der ungewöhnlichen Führungsleistung Abraham Lincolns, der, wenn denn ein solcher Superlativ überhaupt statthaft ist, größten „weltgeschichtlichen Persönlichkeit“ des 19. Jahrhunderts. Der Krieg endete im April 1865 mit der Kapitulation der letzten konföderierten Truppen.

S. 795 f.

„Die Verwandlung der Welt“ 20 – über „Rassen“ und Rassismus – eine kurze Geschichte

Jürgen Osterhammel - Die Verwandlung der Welt 20Über den „makabren Zyklus“, der „das 19. mit dem 20. Jahrhundert [verklammert]“. Ich denke, dieser große Bogen im ersten Absatz des Kapitels XVII,3 („‚Zivilisierung‘ und Ausgrenzung – Fremdenabwehr und ‚Rassenkampf‘“) kann fast als bedenkenswertes Wort „zwischen den Jahren“ gelten.

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„Die Verwandlung der Welt“ 19 – „nach dem Kochbuch die Küche“

Aus dem Nachwort – über das wiedererwachte Interesse an der Globalgeschichte und den an Mangel neueren brauchbaren Gesamtdarstellungen:

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Wikipedia: „Samuel Isaac Joseph Schereschewsky“

Samuel Isaac Joseph Schereschewsky – Wikipedia

Interessante Figur, bin gerade durch Osterhammel aufmerksam geworden… (Vorsicht, der Wiki-Artikel ist in schauderhaftem Nicht-Muttersprachler-Deutsch gehalten, ferner auch rührselig und naiv und offenbar von einer religiösen Knalltüte verfaßt bzw. aus der englischen Wiki übersetzt.)

Osterhammel schreibt, daß Schereschewsky in China tief skeptisch gegenüber den aggressiven Missionierungsplänen evangelikaler Schwarmgeister gewesen sei. Er nennt ihn „einen der großen Sinologen seiner Zeit“. Er habe „große Distanz zur imperialen Politik“ gehalten. (S. 1265)

„Die Verwandlung der Welt“ 18 – über die wenig gesellschaftsfähigen Missionare

Im Abschnitt über Religion und dort im Unterabschnitt über Mission in den Kolonien eine hübsche Bemerkung – es geht um die umstrittene Frage, inwiefern christliche Missionare Verbündete, Kollaborateure der europäischen Kolonialherren gewesen seien:

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„Die Verwandlung der Welt“ 17 – Bayern und Griechenland – eine Geschichte des zivilisatorischen, jedenfalls des zivilisierenden Scheiterns

Aus weiß Gott gegebenem tagespolitischem Anlaß, ferner etwas verspätetet zum 180. Jahrestag des Regierungsantritts des bayerischen Königs Ottos von Griechenland hier ein herrlicher Absatz aus dem 17. Kapitel, nämliches überschrieben „‚Zivilisierung‘ und Ausgrenzung“:

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„Die Verwandlung der Welt“ 16 – die Dienstmädchen

So berechtigt die vielen Klagen über ausbeuterische Arbeitsverhältnisse auch in zahlreichen Fällen waren, so wichtig war doch der Beruf eines Dienstmädchens als Chance für junge Frauen vom Lande, auf dem städtischen Arbeitsmarkt in relativ gesicherten Verhältnissen Fuß zu fassen. Als Alternative zu Industriearbeit oder gar Prostitution war ein Leben des Kochens und Wäschewaschens nicht indiskutabel.

S. 990 f.

„Die Verwandlung der Welt“ 15 – die Kulis (und die Hämmer)

Eine hübsche Passage über die chinesischen Kulis im US-amerikanischen Eisenbahnbau in den 1860er Jahren. Zwar mag es mir nicht gefallen, daß Leute, die nicht streiken, dafür auch noch gelobt werden – aber hübsch ist es eben dennoch. Und ich bin für alles dankbar, was mir hilft, meiner Aversion gegen Chinesen ein wenig Herr zu werden. ;-)
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„Die Verwandlung der Welt“ 14 – die Landarbeiter

Ein tieftraurig stimmender Absatz. Ich frage mich das schon lange und habe es mir nie ganz erklären können: Warum gibt es sie nicht, die „Bauerninternationale“, die man wirklich besser Landarbeiter-Internationale nennen sollte? Auch Osterhammel erklärt es nicht, sondern hält es nur mehr fest. Mir fällt wirklich nichts Besseres ein, als wieder einmal die Religion für schuldig zu halten – sehr originell ist das zugegebenermaßen nicht.

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„Die Verwandlung der Welt“ 13 – über die vielleicht schmuckste Profitruppe der Welt

Nicht nur – aber auch! – aus gegebenem Anlaß. Ich habe dieses Passage gestern abend gelesen und sofort beschlossen, sie zu bloggen. Eben gerade erst lese ich von diesem Anschlag in Wisconsin!
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„Die Verwandlung der Welt“ 12 – Shaka urteilt

Den Beginn des XI. Kapitels „Staat“ habe ich als ein wenig zähe und langatmig empfunden. Das hat sich aber nun mit dem Unterabschnitt „Die Neuerfindung der Monarchie“ wiederum sehr gebessert. Natürlich geht es auch um die Wahrnehmung außereuropäischer Monarchien durch die Europäer – um die „orientalistische“ Konstruktion von „Despotien“ angesichts viel komplexerer Wirklichkeiten etwa, nachdem der Autor zuvor schon festgestellt hat, daß beispielsweise auch die europäischen absolutistischen Monarchen viel weniger absolut waren, als sie selbst es gerne gehabt hätten und als andere es oft gesehen haben.

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„Die Verwandlung der Welt“ 11 – über den Tripelallianz-Krieg

Diesen bemerkenswerten und schauderhaften Krieg hatte ich in letzter Zeit schon mehrfach in mehr oder minder assoziativem Kontext erwähnt. Hier die Passage, durch die ich auf ihn aufmerksam geworden bin:

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1864

Sie lösen einander 1864 ab: der Taiping-Aufstand (der in absoluten Zahlen blutigste Bürgerkrieg der Weltgeschichte) und der Tripel-Allianz-Krieg (der in relativen Zahlen verlustreichste moderne Krieg eines Staates). Beide kennt hier kein Mensch, kurios…

Frühe Neuzeit

Ja*, bemerkenswert daß dieser Begriff in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist. Es gibt ein Unzahl von Lehrstühlen für frühneuzeitliche Geschichte, aber außerhalb der Fachwelt kennt man nicht einmal das Wort.

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