Rußland
Die Große Peripherie…
Auswandern aus Rußland
In einem sehr lesenswerten, dichten Artikel zeichnet Kerstin Holm (Moskau) ein realistisches – also ein finsteres – Bild von der Lage im Lande des „Quadriga-Preis“-Trägers. Die gutausgebildete Elite sitzt offenbar zu einem guten Teil auf gepackten Koffern – einige müssen allerdings noch warten, bis sie wieder aus dem Gefängnis heraus sind, in das sie durch fingierte Prozesse gewandert sind, weil der Staat an ihr Geld wollte. Die Apparatschiks des Rentenkapitalismus brauchen keinen Mittelstand, weil sie Rohstoffe haben. Man fürchtet allerwegen, daß Putin wieder Präsident wird. Gegen Endes des Artikels ein bißchen Hoffnung. Und ja, so ist es seit den Tagen Peters des Großen: Rußland liebt Europa und wird nicht zurückgeliebt. Guter Artikel.
Wie man’s richtig macht
In der FAS finden wir eine recht lesenswerte 18-punktige Anleitung zum richtigen, d.h. zum aufdeckungssicheren Plagiieren von akademischen Texten zum Zwecke der Promotion: „Summa cum laude für jedermann“. Von den naheliegenden, gar altbekannten Ratschlägen sei hier nur die Wahl eines akademischen Brahmanen als Doktorvater erwähnt und folgendes zitiert: „Formulieren Sie nicht geschliffener, als man es von Ihnen erwarten würde.“
Der Kampfschlumpf (ergänzt)
Da ich gerade Matsch in der Birne und Verzweifelung überall sonst habe, kommt mir ein Tweet frei_seins zur Ablenkung ganz gelegen. Das „alljährliche Macho-Sommer-Show von Putin“ sei wie immer ganz amüsant. Ist mir zumindest Anlaß, hier den hübschen Extra-3-Sketch über den „Kampfschlumpf Putin“ einzubauen, ist schon anderthalb Jahre alt:
FAZ – Herz aus Blech
Sehr hübsche Glosse von Kerstin Holm zum Autofahren à la russe. Daraus
Private Fahrzeughalter, die wiederholt gegen Polizistenwillkür und Zollerhöhungen für Gebrauchtwagen demonstriert haben, sind in Russland die einzige Gruppe, die überregional Solidaritätskundgebungen mobilisieren kann – und damit die Keimzelle einer Zivilgesellschaft.
– Link
Aus dem Reich der Finsternis
In der Digitaz ein wie mir scheint lesenswerter Artikel von Sergej Solowkin über den betrüblichen Zustand des russischen Justizsystems: „Druck der Öffentlichkeit“. Es geht um den Ausgang des Prozesses gegen den vorgeblichen Mörder von Anna Politkowskaja. Der Autor – der selbst fast einem Mordanschlag zum Opfer gefallen wäre und heute in Deutschland lebt – präsentiert den Freispruch als einen der seltenen Fälle, in denen die Geschworenen Rückgrat gezeigt hätten. Daraus:
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Moskauer Monitor (FAZ-Blogs III)
Seit gestern nachmittag gibt es ein neues FAZ-Blog, nämlich den Moskauer Monitor der stets ausgesprochen lesenswerten Kerstin Holm. Es startet mit einem Beitrag über Rußland patriotische Weihnachtszurüstungen. Von diesem Blog wird hier mit Sicherheit noch öfter die Rede sein, wenn es denn in Schwung kommt.
Propaganda-Reimport
Ein meines Erachtens sehr interessanter Artikel in der Berliner Zeitung: „Strukturelles Problem“.
Schriftsteller (neben vielen Unbekannten sind auch Vargas Llosa und Arnulf Baring dabei) haben einen offenen Brief an den Bundestag geschrieben. Er, der Bundestag, möge die Tätigkeit der China-Redaktion der Deutschen Welle (DW) während der letzten fünf Jahre einer Prüfung unterziehen.
Con Dolcezza in der FAZ an Rußland
Und zwar gar nicht süßlich, sondern ausgesprochen deutlich, nicht nur, wenn man den diplomatischen Sprachkodex als Referenz nimmt. Der brave Frank-Walter Steinmeier müßte vermutlich psychologisch betreut werden, wenn er gezwungen wäre, so zu reden. Auch hier immer wieder der Aufruf zur Einigkeit unter den Staaten des Westen, verklausuliert als Feststellung dieser Einigkeit. Und die – völlig zutreffenden – Kernsätze scheinen mir diese:
Die Vereinigten Staaten und Europa werden nicht zulassen, dass die russische Führung doppelgleisig fährt und auf der einen Seite die Vorteile der internationalen Regeln, Märkte und Institutionen genießt, aber gleichzeitig ihre unmittelbaren Grundlagen in Frage stellt. Es gibt keinen Mittelweg. Ein Russland des 19. Jahrhunderts kann nicht Seite an Seite mit einem Russland des 21. Jahrhunderts in der Welt auftreten.
(Condoleezza ist in der Titelzeile falsch geschrieben, nämlich mit nur einem z. Braucht sich also keiner zu schämen, wenn er auch mal daneben haut…)
Georgien – die schwierige Geliebte
Ein kluger, nicht zu langer Artikel von Kerstin Holm (wie schon des öfteren erwähnt eine meiner Lieblingsjournalistinnen zum Thema Rußland) zur zwiespältigen und komplizierten Haltung der russischen Intelligenzia zum Georgien-Konflikt. Sehr schön darin vor allem diese Passage zum russischen Georgien-Bild:
Zweimal die NZZ zu Rußland
In der Online-Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung finden sich gestern und heute je ein interessanter Artikel zur russischen Kollektivpsyche. Gestern bemüht der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch dazu (nicht als erster) den russischen Knastsprachen-Treminus „Bespredel“ (wörtlich „ohne Grenzen“): „Grenzüberschreitungen“. Das Wort bezeichnet eigentlich einen Zustand- in dem die festen Regeln und der Kodex den Gefängnis- und Gulag-Lebens außer Kraft gesetzt werden, einen Aufruhr.
Putin betäubt einen Tiger
und Andreas Kilb lacht in der FAZ darüber. Recht so, wie peinlich, die Inszenierung.
FP: Sieben Fragen zu Rußlands Fehler(n)
Ein ziemlich kluges Interview mit Paul A. Goble auf Foreign Policy zum Georgien-Konflikt kann zur Lektüre empfohlen werden: Seven Questions: Russia’s Big Mistake. Ich fasse zusammen: Goble unterscheidet sinnvoll zwischen Ursachen (die russischen Destabilisierungspolitik) und Auslöser (Saakaschwilis Einmarsch in Süd-Ossetien) des Konflikts.
Die Kugel kreist
Sonja Margolina – eigentlich immer recht lesenswert – analysiert in der TAZ unter dem Titel „kaukasisches Roulette“ die weltpolitische Lage angesichts des Georgien-Konflikts. Nun, die Position und die Motive der USA sieht sie, wie in Deutschland üblich, wohl als geschlossener und zielgerichteter an als sie tatsächlich sind.



